Hausunterricht – 10 häufige Fragen an uns

Hausunterricht häufige Fragen

Im September hat ein neues Schuljahr begonnen. Doch bei uns läuft es nun ein bisschen anders, als sonst. Denn wir haben uns schon vor den Ferien für das Abenteuer Hausunterricht entschieden. Was uns dazu gebracht hat, könnt ihr im Beitrag Ferienstart – Start in ein neues, freies Leben nachlesen.

Jetzt haben wir mittlerweile November und wir haben uns gut in den neuen Alltag eingelebt. Mit diesem Beitrag möchte ich heute ein paar Fragen beantworten, die mir öfter gestellt werden und somit in die Kategorie „das könnte auch für andere interessant sein“ fallen.

Folgende Fragen wurden mir seit meiner Entscheidung gestellt:

Das ist erlaubt?

In Österreich gibt es die Möglichkeit, die Kinder selbst zu unterrichten. Hierfür schreibt man eine kurze Meldung an die zuständige Schulbehörde und meldet die Kinder in den Hausunterricht ab. Ja, abmelden.

Man kann seine Kinder nicht im laufenden Schuljahr für das laufende Schuljahr abmelden, aber man kann die Kinder immer für das folgende Schuljahr abmelden.

Die Schulbehörde verlangt das Zeugnis der besuchten Schule bzw. das Externistenzeugnis des vorigen Schuljahres. Bei uns war das so: Ich schrieb, dass ich meine Kinder für das Schuljahr 19/20 in den Hausunterricht abmelde und schickte die Zeugnisse der beiden des Schuljahres 18/19 mit.

Nach ein paar Wochen (die Schulbehörde hat, meines Wissens nach, 4 Wochen Zeit, um zu antworten) erhielt ich den Brief, dass ich die Kinder im Schuljahr 19/20 Zuhause unterrichten darf.

Das darfst DU durchführen? Du bist ja keine Pädagogin!

Ja, das darf ich. Dafür muss man keine Pädagogin sein. Meine Aufgabe ist es, den Kindern das Wissen zur Verfügung zu stellen. Ihnen Lust auf Lernen machen (was man einem Kind, das natürlich lernen darf, gar nicht erst schmackhaft machen muss).

Ich bin da, wenn Fragen auftauchen und unterstütze sich bei der Erarbeitung des Stoffes. Und ganz ehrlich, bis zu dem Moment, in dem wir unsere Kinder in die fähigen Hände der Pädagogen geben bringen wir ihnen ja auch alles selbst und auf natürliche Weise bei 😉

Wo haben die Kinder dann Kontakt zu anderen Kindern?

Wir treffen uns mit anderen Familien, die das Konzept Hausunterricht leben und umsetzen. Dabei lernen die Kinder andere Kinder kennen, deren Eltern genauso offen und „anders“ sind, wie wir. Daher haben unsere Kinder seit ein paar Wochen bessere Sozialkontakte zu anderen Kindern, als in der Institution Schule. Denn in unserem freien Raum sind wir keine Exoten. Keine komischen Typen. Ein tolles Gefühl =)

Haben die Kinder dann überhaupt noch eine vernünftige Tagesstruktur?

Natürlich. Sie haben nicht nur eine vernünftige, sondern die beste Tagesstruktur. Denn sie haben eine Tagesstruktur nach ihrem Rhythmus. Sie wissen, was zu tun ist und bis wann es zu tun ist. Somit lernen sie im Vorbeigehen, wie sie sich ihre Zeit einteilen müssen, um – zum Beispiel – Abgabetermine einzuhalten.

Einen Stundenplan gibt es nicht. Sie lernen, wann sie Lust haben. Sie haben ein Heft, in das ich ihnen ihre Tagesaufgaben notiere. Bis 19 Uhr müssen diese Tagesaufgaben erledigt sein. Manche Aufgaben – zum Beispiel ein Gedicht lernen – stehen dann in einer anderen Spalte und bis wann das Gedicht gelernt sein muss. Hier können sie komplett frei wählen, wann und wo sie das Gedicht lernen.

Hausunterricht Wochenplanung
Beispielseite aus dem Wochenplan

Mit welchen Materialen lernt ihr?

Wir lernen mit den Büchern, die sie auch in der Schule verwenden. Die Direktorin unserer Schule hat uns am Anfang des neuen Schuljahres die sowieso bestellten Bücher ausgehändigt.

Hausunterricht Schulbücher
Diese Schulbücher haben wir von der Schule bekommen

Jedes Kind im Hausunterricht hat das Recht auf die Bücher, die in den Schulen verwendet werden. Redet man mit den Zuständigen Schulen, sind einige bereit, die Bücher mit zu bestellen.

Leider habe ich aber auch schon von anderen Schulen gehört, die sich mit allen Mitteln weigern, die Bücher zu bestellen bzw. danach auszuhändigen. In wie weit man sich als Eltern dagegen wehren kann, weiß ich nicht. Denn ich bin in der glücklichen Situation, dass unsere Schule eher auf Kooperation aus ist.

Jeder kann die Schulbücher auf eigene Faust direkt bei den Schulbuchverlagen bestellen. Auch das ist kein Problem und ist der Weg des geringsten Widerstandes 😉 Drückt allerdings aufs Börserl…

Zusätzlich habe ich im Netz einige tolle Plattformen – für Lehrer und Eltern – gefunden, auf denen man unkompliziert und einfach kostenlosen Zugriff auf Lernmaterialien hat.

Unterrichtsmaterial aus dem Netz

Was ist mit Zeit für dich? Was ist mit Paarzeit?

Das ist unverändert. Wir hatten schon vor dem Hausunterricht am Abend unsere Zeit, die wir entweder jeder für sich oder eben als Paar verbrachten. Daher ist die Antwort: Ich nehme mir Zeit für mich und auch für meine Beziehung.

Was ist mit Zeit für deinen Job?

Ich habe Zeit für meinen Job, darüber braucht sich niemand Gedanken machen. Ich manage das so, dass die Kinder und ich gemeinsam arbeiten. Ich an meinen Textaufträgen, sie an ihren Lernaufträgen. Wenn sie Hilfe brauchen, bin ich da.

Und da sie nun keine kleinen Kinder mehr sind, die 24/7 beschäftigt werden müssen, gehen sie tatsächlich auch mal ganz ohne Mama und beschäftigen sich mit ihren Spielsachen.

Wäre es nicht einfacher, die Kinder würden wieder zur Schule gehen?

Nein, es wäre tatsächlich komplizierter. Denn das war es. Alles wird nach der Schule ausgerichtet. Obendrein haben die Kinder oft den Nachmittag mit Hausaufgabe verbracht. Das heißt, ich war mehr Zuhause „angebunden“ als ich/wir es jetzt bin/sind.

Durch den Hausunterricht sind wir frei in unserer Zeiteinteilung. Irgendwie lässt sich unser Leben jetzt besser timen als zuvor.

Was machst du, wenn du den Stoff selbst nicht beherrscht?

Ich bin gut durch die Unterstufe gekommen und habe danach die Oberstufe auch nicht schlecht abgeschlossen. Daher traue ich mir zu, meinen Kindern den Stoff der Unterstufe beizubringen.

Kinder lernen von sich aus ziemlich gerne. Sie sind neugierig und wollen sich Wissen aneignen. Soll heißen, dass es einfacher ist, als es sich anhört, ihnen das nötige Wissen näher zu bringen.

“Das Lernen ist so viel schöner, wenn einem nicht ständig so Druck gemacht wird…”

Mad Max beim Mathelernen

Sollte ich in die unwahrscheinliche Situation kommen, meinen Kindern den Stoff nicht erklären zu können, dann suche ich mir jemanden, der das kann. Es gibt genug Freilerner-Familien da draußen. Und es werden gefühlt immer mehr. Also irgendwen gibt es immer, der mal aushelfen kann.

Sollte sich irgendwas so schlimm ändern, dass ich den Hausunterricht nicht mit ihnen durchführen kann, können sie jederzeit wieder in die Regelschule gehen. Immer!

Wer entscheidet, ob die Kinder vernünftig gelernt haben?

Am Ende eines jeden Schuljahres müssen die Kinder, die Hausunterricht erhalten, zu einer Prüfung gehen. Diese findet an einer Schule nach öffentlichem Recht statt.

An welcher Schule die Prüfungen abgelegt werden können, erfährt man bereits am Schulanfang. Sich mit der Prüfungsschule schon sehr früh in Verbindung zu setzen kann nicht schaden. Die Kinder möglichst früh zur Prüfung anzumelden ist auch kein Fehler.

Jede Schule verlangt andere Sachen von den Kindern. Manche wollen eine Portfolio-Mappe haben, in der gesammelt wird, was man alles mit den Kinder gemacht hat. Andere verlangen das wiederum nicht. Unsere Prüfungsschule verlangt das nicht. Wir haben trotzdem eine für jeden Buben angelegt. Die nehmen sie dann zur Prüfung mit.

Die Kinder werden von einer Kommission angesehen, befragt und es wird geschaut, ob sie auf demselben Wissensstand sind, wie Kinder im selben Alter an einer Regelschule. Wie die Prüfung genau abläuft ist von Schule zu Schule verschieden. Da wir hier das zum ersten Mal machen haben wir hier natürlich noch keinen Erfahrungswert.

Wenn die Kinder denselben Wissensstand haben, steht einem weiteren Unterrichtsjahr Zuhause nichts im Weg. Sie können dann auch in eine weiterführende Schule gehen, wenn man das möchte.

Wenn die Kinder Defizite aufweisen, dann müssen sie das Schuljahr an einer Regelschule wiederholen.

Fazit – Bereue ich die Entscheidung?

Nein. Ich bereue nicht, so entschieden zu haben. Ich gebe zu, dass es manchmal richtig anstrengend sein kann. Und dass ich dann um 18:00 Uhr bereits so müde bin, dass ich an Ort und Stelle einschlafen könnte. Doch es überwiegen die Vorteile. Die Vorteile für mich, die Kinder, die Familie und das gesamte Familienleben.

Das Konzept Hausunterricht ist für UNS der richtige Weg. Anfangs – ein paar Tage nachdem ich an die Schulbehörde geschrieben hatte – hatte ich Zweifel. Aber nach den ersten Monaten des freien und selbstbestimmten Lernens kann ich sagen, dass wir es nicht anders haben wollen.

Hast du schon einmal über diese Möglichkeit nachgedacht? Kannst du dir Hausunterricht vorstellen, oder lebst dieses Konzept womöglich selbst auch schon? Ich freue mich auf einen regen Austausch über dieses Thema.

Auf bald,
Babsi Hey


PS: Deiser Beitrag ist mein persönlicher Erfahrungsbericht und wie ich dazu stehe. Es ist kein Beitrag, der gegen Schule ist oder eine rechtliche Beratung ersetzt.


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2 Kommentare

  1. Hallo Babsi 🙂

    Ich finde das Thema super spannend. Kann mich aber nicht so recht entscheiden, welcher Meinung ich selbst bin 😀 Ich habe keine Kinder und in Deutschland wird man auch nicht zur Wahl gestellt. Aber was nicht ist kann ja noch werden, gell? 😉

    Wenn ich an meine Realschulzeit (also 5. bis 10. Klasse) zurückdenke, glaube ich dir gerne, dass du das genauso gut kannst, wie ein studierter Lehrer. Meine Lehrer waren alle 40+, teilweise haben sie schon in der DDR gelehrt und ihre Methoden wohl beibehalten. Die Nachmittage habe ich zu häufig mit übertrieben vielen Hausaufgaben verbracht, statt einfach Kind zu sein. Außerdem wurde ich 2 Jahre gemobbt, was auch niemanden interessiert hat.
    Ich glaube schon, dass es je nach Schule und Charakter des Kindes sinnvoll sein kann, den Knirps da raus zu halten.

    Mich würden noch drei Dinge interessieren: Flechtest du in den Unterricht Themen ein, die eine normale Schule nicht behandelt? Zum Beispiel wie das Steuersystem funktioniert. Die zweite Frage: Wie stehst du zu dem Kritikpunkt, dass die Kids in Watte gepackt werden und nicht lernen, wie es ist, wenn niemand auf sie Rücksicht nimmt und sie mit Leuten zusammen sind, die sie nicht mögen? Und die letzte: Wenn dein Kind äußern sollte, dass es gerne wieder auf eine “richtige” Schule gehen möchte, würdest du dem nachkommen?

    Super Artikel. Dir ein Schönes Wochenende.
    Liebe Grüße > sara

    1. Hallo Sara,
      danke für dein tolles Feedback =) Ich freue mich sehr darüber.
      Zu deinen Fragen: Ich flechte in den Unterricht ein, wonach den Kindern ist. Also ja, wenn sie etwas interessiert, das eigentlich noch gar nicht “dran” ist, besprechen wir es trotzdem. Kinder teilen von sich aus mit, wann etwas zu viel oder zu tief geht. Daher werden sie nicht überfordert, auch wenn es ein Thema ist, dass in der Schule vielleicht erst in der Oberstufe behandelt würde.
      Zum Punkt Watte: ich denke, das kommt auf die jeweilige Familie an. Wir packen die Kinder nicht in Watte und sie kennen auf jeden Fall die Situation, dass man auch einmal auf Menschen trifft, die einen nicht sonderlich gut leiden können. Doch wir Erwachsenen verlassen solche Situationen so schnell und gut wie möglich, also warum sollen wir unsere Kinder in solchen Situationen lassen oder gar hineinzwingen?
      Und zur letzten Frage: Da ich an sich nichts gegen Schule im allgemeinen habe, sondern wir keinen anderen Ausweg aus der Situation sahen (siehe verlinkten Beitrag), dürfen meine Kinder jederzeit zurück in die Regelschule und das wissen sie auch =)
      Ich wünsche dir auch ein tolles Wochenende 😉
      Babsi

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