Struktur und Motivation im Hausunterricht

struktur und motivation im hausunterricht

Seit September unterrichte ich meine mittleren Söhne zuhause. Die Gründe dafür habe ich im Beitrag Ferienstart – Ein Start in ein neues Leben beschrieben.

Es ist nicht immer einfach. Aber wir haben uns zusammengerauft und es läuft seit Oktober wirklich beinahe reibungslos. Auf die häufigsten Fragen habe ich schon einmal geantwortet. Du findest sie im Beitrag Hausunterricht – 10 häufige Fragen an uns.

Aber was immer wieder auftaucht und gerade jetzt auch sehr gefragt ist: wie strukturieren wir unseren Tag und wie motiviere ich die Kinder dazu, zu lernen. Heute möchte ich erzählen, was bei uns gut funktioniert.

Wie alles begann – Abenteuer Hausunterricht

Zuerst einmal: nein, es lief nicht von Anfang an gut. Wir machten Fehler. Die Kinder mussten in diese neue Situation hineinfinden. Schließlich gibt es plötzlich keine Lehrerin mehr, die an der Tafel den Stoff runterbetet. Auch nicht vorsingt oder mit Ausdruckstanz näherbringt. Da sind nur mehr Mama oder Daddy. Hin und wieder der ältere Bruder.

Es gibt jetzt auch keine Klassenkameraden mehr. Das allerdings macht meinen Kindern nichts aus. Machte es von Anfang an nicht. Warum nicht? Weil Mobbing einfach nix ist, das man vermisst.

Für mich war es auch nicht einfach. Viele Zweifel quälten mich.

  • Schaffe ich das?
  • Kann ich die Kinder ordentlich unterstützen?
  • Was ist, wenn ich einmal nicht weiter weiß?

Doch wir fanden unseren Weg. Daher möchte ich dir heute, hier und jetzt ein paar Tipps auf deinen Weg mitgeben, solltest du deine Kinder zuhause unterrichten wollen oder müssen. Starten wir mit der Motivation, denn die ist oft die größere Herausforderung.

Meine 4 besten Tipps, die Kinder zu motivieren

  • Sei geduldig mit deinem Kind. Es ist eine neue Situation für euch und ihr müsst euren Weg erst finden. Bitte dein Kind immer wieder, Aufgaben zu erfüllen. Stress und Druck brauchst du nicht zu machen. Setzt euch gemeinsam hin und packt die Schulsachen aus. So steigt ihr langsam ein.
  • Beobachte dein Kind und lerne. Auf welche Fächer freut es sich? Welche möchte es am liebsten „vergessen“? Welche Fächer verursachen größere Diskussionen? Somit lernst du die Präferenzen deines Kindes kennen.
  • Aufgrund deiner Erkenntnisse kannst du den Unterricht oder die Lerneinheit schon einmal mit einem Thema beginnen, das dein Kind gerne mag. Danach folgen die Fächer, die eher nicht gemocht werden, mit der Aussicht, die Lernerei mit einem Thema abschließen zu dürfen, das nicht nur gemocht, sondern geliebt wird.

    Durch den sanften Einstieg setzt sich dein Kind lieber zur Aufgabe, obwohl es im Mittelteil die nicht feinen Dinge erledigen muss. Der krönende Abschluss ist schließlich die Belohnung.

    Bei uns sieht das so aus: Sachunterricht (wird gemocht), Mathe (da muss ich jetzt nix sagen, oder?), Deutsch (lockert wieder auf), Englisch (wird echt geliebt).
  • Wenn das nicht hilft – und solche Tage gibt es ganz einfach – motiviere nicht, sondern locke. Ist nicht die schönste Lösung, aber immer noch besser, als dein Kind erledigt seine Aufgabe nicht. Locke mit einer ganz tollen Belohnung, wenn es seine Lerninhalte erledigt hat.

Meine 4 besten Tipps für Struktur im Hausunterricht

Vorneweg: du bekommst jetzt keinen Stundenplan an die Hand.
Der ist für Schulen wichtig, aber für Zuhause irrelevant.

  • Nutze die einmalige Möglichkeit, dass du im Hausunterricht ganz auf die Bedürfnisse und das Befinden deines Kindes eingehen kannst. Nicht jeder lernt zur gleichen Zeit gleich gut. Das wird in der Schule so erwartet, aber Zuhause nicht. Du kannst die Lernkurve und auch den Biorhythmus nutzen und berücksichtigen. Dein Kind hat vielleicht am Nachmittag bessere Lernerfolge. Also: wie bei der Motivation beobachte was deinem Kind gut tut. Hast du mehr Kinder, dann bedenke, dass jedes Kind etwas anderes braucht.
  • Beziehe dein Kind immer in die Tagesplanung mit ein. So weiß es, was jeder zu tun hat. Es wird sich dabei gut und erwachsen fühlen. Lasse auch Einwände deines Kindes zu. Lasse es wissen, was DU zu tun hast. Lebe vor, dass Dinge erledigt werden müssen. Lasse aber auch zu, dass dein Kind vielleicht nicht im selben Rhythmus schwingt wie du. Versucht also, gemeinsam die bestmögliche Tagesplanung aufzustellen.
  • Sage deinem Kind ganz klar, was gemacht werden muss und bis wann es fertig sein muss. Am besten verwendet ihr dafür einen Kalender oder ein Planungsbüchlein. Du wirst sehen: dein Kind packt das schon.
Plan für eine Lernwoche
  • Verständnis und Vertrauen. Verständnis, denn auch Kinder haben mal einen miesen Tag. Haben schlecht geschlafen, sind mit dem falschen Fuß aufgestanden oder sind einfach einmal nicht ganz so fit, wie sie sein sollten. Kommt vor. Kein Grund zur Panik. Ihr seid schließlich nicht daran gebunden alles in der Zeit zwischen Montag und Freitag zu vollbringen. Ihr könnt euch die Zeit frei einteilen und seid flexibel. Vertraue darauf, dass alles so wird, wie es sein soll.

Lernen ist Alltag

Wenn sich jeder seiner Aufgaben bewusst ist, läuft es. Und Kinder lernen von Natur aus wahnsinnig gerne. Wäre es nicht so, dann könnte niemand von uns sitzen, laufen, sprechen und all diese Standarddinge, die wir nun einmal alle beinahe selbstständig lernten.

Jeder von uns hat schon einmal etwas gelernt, das er eigentlich nicht lernen wollte und jetzt können wir es trotzdem. Ja, wir haben uns gesträubt. Haben das so lange, wie nur irgendwie möglich, hinausgeschoben. Aber am Ende haben wir es dann doch gelernt.

So machen das unsere Kinder natürlich auch. Sie sind sich aber, wenn du es klar formulierst, bewusst, dass sie nun einmal müssen. Nicht lernen hat Konsequenzen. Für die Zukunft und das kann man schon den jüngsten erklären. Du musst dir nur Zeit dafür nehmen.

4 Tipps zur Corona-Krise und Hausunterricht

Im Moment ist es so, dass alle Schulen geschlossen sind. Wann sie wieder öffnen steht in den Sternen. Daher sind jetzt alle Eltern und Kinder vom Abenteuer Hausunterricht betroffen. Das ist eine ganz andere Situation und die Isolation macht uns das Leben schwerer. Auch hier bei uns. Wo wir Homeoffice gekoppelt an Hausunterricht eigentlich gewohnt sind.

Trotzdem ist hier jetzt auch alles ein wenig anders. Aber auch dir, wenn du normalerweise keinen Hausunterricht machst, kann ich den einen oder anderen zusätzlichen Tipp an die Hand geben.

  • Bleibt ruhig. Nicht nur für dich und dein Kind ist das – auf österreichisch gesagt – ein Schas. Die Schulen und vor allem die Lehrer stehen vor derselben miesen Situation. Alle müssen sich an das erst einmal gewöhnen. Niemand verlangt – das geht auch gar nicht – dass ihr Zuhause 1 zu 1 arbeitet, wie in der Schule. Findet euren Rhythmus.
  • Bedenkt, dass auch eure Kinder Angst haben, nervös sind. Nicht wissen, wieso alles so läuft, wie es eben gerade läuft. Verstehst du es genau? Ich nämlich nicht und die Kinder dann schon gar nicht. Behalte das bitte im Auge. Die Kinder, auch meine, sind im Moment sowas von gereizt. Brauchen viel mehr Mama und Daddy als sonst. Ihre Nerven liegen genauso blank wie unsere. Nehmt sie in den Arm und verzeiht, wenn sie nicht gleich so funktionieren, wie wir es jetzt brauchen würden.
  • Die Kinder können sich schneller an neue Umstände gewöhnen, als wir denken. Dabei ist natürlich jedes Kind anders. Das eine macht nach 2 Tagen genau das, wie es soll. Ein anderes braucht 1 Woche und wieder ein anderes ist nach 2 Wochen noch nicht richtig angekommen. Macht nix. Sobald sie in die neue Situation gefunden haben, holen sie ganz schnell auf. Vertraue darauf!
  • Kommuniziere. Mit allen, die zu einem positiven Ablauf beitragen können. Deine Kinder, dein Partner, dein Chef oder deine Geschäftspartner. Alle haben jetzt ihr Päckchen zu tragen. Mit Kommunikation lassen sich viele Stolpersteine von vornherein aus dem Weg räumen.

Dieser Beitrag entstand vor der Corona-Krise und richtet sich in erster Linie an Eltern, die mehr über Struktur und Motivation im Hausunterricht wissen wollen, weil sie selbst über das Abenteuer Hausunterricht nachdenken. Er richtet sich an Eltern, deren Kinder die Unterstufe besuchen. Oberstufenschüler haben die Situation von Haus aus etwas besser unter Kontrolle 😉

Ich dachte mir allerdings, dass dieser Beitrag gerade jetzt auch für Eltern interessant sein könnte, die aufgrund der Krise ihre Kinder zuhause unterrichten müssen.

Kopf hoch! Ihr packt das! Es ist wirklich keine Hexerei.
Haltet zusammen und durch. Vor allem bleibt gesund.
Und nach jedem Sturm folgt bekanntlich Sonnenschein.

Wie geht es euch im Hausunterricht? Wo hakt es noch? Oder lief alles sofort wie am Schnürchen?

Lasst uns unsere Erfahrungen teilen und somit unterstützen wir uns gegenseitg.

Wir lesen uns =),
Babsi Hey


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2 Kommentare

  1. Toll geschrieben, ich beneide dich ja das du sie selbst unterrichtest. Ich muss sagen es ist eine Herausforderung wirklich jeden tag konzeqenz zu sein. Aber ich mache es weil es gemacht werden muss. Morgen hole ich eine neu Übungsmappe! den wochenplan und die gelbe Mappe muss fertig sein nach Ostern wir brauchen nicht mehr viel. Aber dann wird behauptet das kind zu viel macht ‍♀️

    1. Dankeschön <3
      Konsequent dran bleiben ist wahrscheinlich für viele gerade die größte Herausforderung. Aber Kopf hoch! Denn im Grunde ist es jetzt in der Krise sowieso Ausnahmezustand.
      Für uns ist es tatsächlich zum Alltag geworden 🙂
      Ich wünsche dir und deinem Kleinen weiterhin gutes Gelingen und entspannt auch ein wenig gemeinsam. Das ist jetzt am allerwichtigsten.
      Wir lesen uns,
      Babsi Hey

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