Ferienstart – Start in ein neues, freies Leben

hausunterricht freies leben

Am 28. Juni war er da. Der letzte Schultag in diesem Schuljahr. Wirklich nur in diesem Schuljahr?

Auf Facebook habe ich es schon angedeutet. Auf Instagram auch. Etwas ändert sich und nun ist es endlich an der Zeit davon zu erzählen. Dafür hole ich ein wenig aus:

Wenn Schule Spaß macht

Viele kennen es. Vor allem die Kinder, die noch gar nicht zur Schule gehen freuen sich mega auf den ersten Schultag. Voll motiviert stehen sie früh Morgens auf. Sie freuen sich auf die Lehrer/in, die anderen Kinder und natürlich all den tollen Sachen, die sie lernen dürfen.

Auch meine Kinder starteten mit dieser Motivation ins neue Schuljahr. Mad Max begann die dritte Stufe und Dean wurde eingeschult. Täglich gab es tolle Sachen zu berichten. Von beiden. Alles in Butter – alles im grünen Bereich. Wundervoll wenn Schule einfach Spaß macht.

Der Alltag stellt sich ein

Ab einem gewissen Zeitpunkt ist die anfängliche Euphorie abgeebbt. Die Kinder gehen zwar noch gern zur Schule, doch etwas länger im Bett kugeln wäre halt auch ganz schön. Hausaufgaben finden sie dann auch nicht mehr so super spannend – ich auch nicht.

Aber im Großen und Ganzen läuft es. Schule gehört nun einmal zum Alltag dazu. Die erste größere Verpflichtung für unsere Kinder. Im Kindergarten haben sie das geübt. Schule ist halt etwas ernster.

Alltag Schule
Foto: Babsi Hey,
Handwerksmuseum St. Leonhard am Hornerwald

Etwas stimmte nicht

Irgendwann wurde es zunehmend anstrengender. Vor allem Mad Max veränderte sich. Schule war nicht mehr bloß langweiliger Bestandteil des Alltags. Zunehmend wurde er aggressiver, machte die Hausaufgaben nicht mehr, wollte in der Schule nicht mehr mitmachen.

Nach einer gewissen Zeit fing unser Dean auch an, herum zu zicken. War mies gelaunt und wollte immer öfter krank feiern. Eines Tages, Mad Max war zuhause (er hatte Fieber), rief mich eine Mama an. (Es war der kälteste Tag in diesem Winter. Auf unserem Auto war 1 cm Eisschicht.) Und diese Mama fragte mich, ob ich Dean’s Mutter sei. Sie habe gesehen, wie er zu Fuß Richtung nachhause ging.

Sie brachte ihn mir nachhause, denn es war uns unmöglich das Auto in Gang zu setzen. Es sprang zwar an, aber die Eisschicht bekamen wir so schnell einfach nicht ab.

Was war denn nur los?

Als Dean aus dem Wagen stieg, sah ich, dass er wohl seine Mütze verloren hatte. Seine Handschuhe auch. Die nette Frau borgte ihm die Mütze ihres Sohnes. Unser Dean war schon sehr weit in dieser Eiseskälte gegangen und ich sah ihm an, dass er bis auf die Knochen durchgefroren war.

“Aber was ist denn los? Warum haust du von der Schule ab?” Wie sich rausstellte, waren mehrere Kinder aus den höheren Stufen sehr gemein zu ihm. Und das laufe immer so ab in der Früh. Sie müssen alle im Erdgeschoss warten, bis 7:15 Uhr, bis die Kinder in die Klassen dürfen. Die meisten Kinder kommen mit dem Bus und sind somit schon um 7:00 Uhr im Erdgeschoss.

Dean hielt es an diesem Morgen einfach nicht mehr aus. Die Beschimpfungen und die Drohungen. Er packte sich kurzerhand zusammen und ging nachhause. Wegstrecke von der Schule bis zu uns: 6 km. Bei Eiseskälte. Doch das war ihm tausendmal lieber, als sich weiter demütigen zu lassen. Mir brach das Herz.

Das machte die Schule danach

Natürlich fuhr mein Mann, sobald die Eisschicht weg war, mit Dean in die Schule. Der Direktorin war dieser Vorfall unangenehm. Liegt es schließlich in der Verantwortung der Schule. Doch im ersten Moment wollte sie Dean die Schuld geben. Wie kann er nur so verantwortungslos sein. Mein Mann ist allerdings nicht auf den Mund gefallen und hat den Spieß sofort umgedreht. Wie kann es passieren, dass ein Kind völlig unbeaufsichtigt das Schulgebäude verlassen kann? Wir Eltern verlassen uns darauf, dass unsere Kinder in der Schule sicher sind.

Es wurde dann besser darauf geschaut, was da in der Früh abgeht und es wurde besser darauf geachtet, was die Kinder insgesamt machen. Doch von da an beobachtete ich meine Kinder noch genauer.

Die Weihnachtsferien

In dieser Zeit kamen die Kinder zur Ruhe. Sie öffneten sich und täglich stießen ihnen neue Details raus. Sie werden vor allem verbal verletzt. Nahezu täglich. Meistens am Schulweg. Und zum ersten Mal dachte ich darüber nach, die Kinder aus der Schule zu nehmen.

Nach den Weihnachtsferien

Als im Jänner dann die Schule wieder losging, hatte sich die Situation wohl beruhigt. Die Kinder wurden weitestgehend in Ruhe gelassen. Dachte ich. Dem war dann doch nicht so. Dinge meiner Buben wurden mutwillig kaputt gemacht, sie wurden gehänselt, ausgelacht. Gespräche mit der Schule brachten herzlich wenig.

Nach den Osterferein eskalierte die Situation. Meine zwei Jungs kamen weinend vom Bus nachhause. Auf meine Frage, was passiert sei, erzählten sie mir, dass zwei Eltern anderer Kinder in den Bus kamen und mit meinen Jungs schrien.

Ausgerechnet die Eltern der zwei Mistkröten (Verzeihung bitte), die den Tag zuvor die bereits zweite Trinkflasche meines Mad Max’ mutwillig kaputt machten, weil sie es wahnsinnig witzig fanden, mit denen Fußball zu spielen.

Ich rief sofort die Direktorin an und schilderte ihr den Vorfall. Ihre Antwort: “Das liegt aber nicht in unserer Verantwortung.” Tja, ich fühlte mich hilflos.

pixabay.com

Am nächsten Tag holten wir unsere Jungs ab. Und da bekam ich mit, dass mein Max gar nicht im Bus saß, sondern im Park daneben, eingekesselt von ein paar Jungs. Weinend. Schreiend. Wie sich dann rausstellte, hatte ihm ein Junge, der bereits im Bus saß, eine geschmiert. Die Jungs im Park wollten nur wissen, was los sei.

Ratlos und hilflos?

Nachdem ich wusste, dass mir die Direktorin nicht helfen kann und das Busunternehmen sich auch sauber abputzt, traf ich mit den Kindern und meinem Mann die Entscheidung. Das Fass war nicht nur randvoll, es war am überlaufen.

Ich wollte bei ihnen nicht auch wieder Erdbeben, Tsunami und atomare Katastrophe erleben. Nur, weil es für die Kinder der gesellschaftlich besser gestellten Eltern keine Konsequenzen gibt. Die können ja niemals nicht schlimm sein. Sind diese Kinder doch immer nett gekleidet und auf klinischen Hochglanz poliert.

Diese Entscheidung verändert unser Leben total. Es wird Tage geben, da werde ich mir wahrscheinlich meine Dreads ausreißen. Ich werde 24/7 mit den Kids zusammen sein. Wir werden ganz bestimmt aneinander krachen. Und doch wissen wir jetzt schon, dass es uns besser gehen wird damit.

Der Hausunterricht als Ausweg

Meine Kinder sind jetzt zum Hausunterricht abgemeldet. Unterstützung für diesen Schritt fand ich … eigentlich überall. Jede/r meinte zu dem Thema (außer die Schule selbst), dass das eine gute Entscheidung ist. Den Kids und mir tut das sicher gut. So viele Menschen, denen ich begegne, finden das total cool und super, dass wir diesen Schritt wagen. Viele meinen, sie wünschten, sie könnten das auch.

Ich weiß noch nicht, wie es wird. Es ist auf jeden Fall eine spannende Geschichte. Meine Jungs sind übrigens so begeistert von der Idee, dass sie tatsächlich jeden Tag ein bisserl Stoff machen. Jetzt schon.

Mad Max bei der Projektarbeit: Rettet die Bienen
Foto: Babsi Hey

Weil lernen einfach Spaß macht, wenn es keinen Druck gibt.

Wie das mit dem Hausunterricht in Österreich funktioniert, welche Vor- und Nachteile es gibt und wie man überhaupt die Genehmigung dazu bekommt, erfährst du in einem anderen Beitrag 😉

Und wie wir unseren Hausunterricht gestalten werden, wird sich durchs Tun ergeben. Denn jedes Kind – bei mir dann drei – hat seine eigenen Bedürfnisse beim Lernen. Seinen ganz eigenen Rhythmus. Auf den ich dann eingehen kann. Ganz ohne Stress.

Selbstbestimmt und frei lernen

das wird super schön.

Ich bin dann eine selbstständige Mama, mit 6-Personen-Haushalt, die die Kinder Zuhause unterrichtet. Und trotzdem weiß ich jetzt schon, dass es gut wird. Unser Leben – unser Rhythmus.

Kennt ihr jemanden, der die Kinder selbst unterrichtet oder unterrichtet ihr selbst im Hausunterricht? Wie sind die Erfahrungen? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Wir lesen uns =),
Babsi Hey


Foto Titelbild: Babsi Hey
Sonnenuntergang bei Thaures


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