Lernen lernen Teil 2: Die Leistungskurve

leistungskurve

Heute gibt es den zweiten Teil von “Lernen lernen”. Im ersten Teil habe ich euch die Lerntypen kurz vorgestellt und Beispiele, wie man am effektivsten lernt. Wer den Text verpasst hat kann ihn hier noch einmal nachlesen. Ich habe im ersten Teil schon geschrieben, dass es aber mehrere Faktoren gibt, die das Lernen positiv beeinflussen können. Daher geht es heute um die Leistungskurve.

Was ist die Leistungskurve

Sie zeigt die Höhen und Tiefen der Leistungsfähigkeit im Tagesablauf an. Je höher die Kurve ist, umso besser können wir uns Konzentrieren. Bessere Konzentrationsfähigkeit erzielt natürlich bessere Lernerfolge. Viele bezeichnen die Leistungskurve auch als Biorhythmus. Bei meinen Recherchen musste ich feststellen, dass das nicht ganz richtig ist. Nur ganz kurz und grob: Der Biorhythmus beschreibt Höhen und Tiefen von Körper, Emotion und Leistung. Dieser Rhythmus beginnt am Tag der Geburt und verläuft periodisch im 28 Tage Rhythmus. Es ist eine These, für die es keinen Beweis gibt (aus wissenschaftlicher Sicht).

Die Leistungskurve ganz Allgemein

Allgemein ist die Leistungskurve über den Tag verteilt wie folgt:

Am Morgen steigt diese Kurve stetig an bis ungefähr 10 Uhr Vormittag. Wenn sie den Höhepunkt erreicht hat fällt sie bis zum Mittag wieder ab. Sie erreicht gegen 14 Uhr einen Tiefpunkt. Danach steigt sie wieder an, jedoch nicht so hoch, wie am Vormittag. Gegen 16 Uhr fällt sie wieder ab und zwischen 18 und 19 Uhr steigt sie noch einmal bis um 20 oder 21 Uhr. Danach sinkt sie auf den absoluten Tiefpunkt. Klar, die Zeit, in der man normaler Weise schläft (hahaha).

Wie schon geschrieben ist das allerdings eine ganz allgemeine Annahme und für manchen mag sie so auch stimmen. Aber…

Die Leistungskurve ist ganz individuell

Und diese individuelle Leistungskurve gilt es herauszufinden, um das Lernen anpassen zu können, um möglichst gute Ergebnisse erzielen zu können. Kinder im Grundschulalter mögen noch in diese allgemeine Kurve hineinpassen, aber mit fortschreitendem Alter ändert sich diese Kurve. Ich habe den Vergleich ja direkt zuhause. Einer meiner Söhne ist Schulanfänger. Er ist sechs Jahre und die allgemeine Leistungskurve passt ziemlich genau auf ihn. Aber mein ältester Sohn, er wird 14, passt schon lange nicht mehr in diese Kurve. Bei ihm verteilt sich die Leistungsfähigkeit schon ganz anders über den Tag.

Pubertier ist zum Beispiel eher ein Morgenmuffel. Er braucht einige Zeit, bis man halbwegs etwas anfangen kann mit ihm. Somit verschiebt sich die Kurve nach hinten. Alles etwas verzögert. Während die einen schon fit sind, hängt er gedanklich noch im Bett fest. Dafür hat er später am Tag mehr Energie als die anderen, die dann wiederum gedanklich schon schlafen gehen. 

Mad Max passt besser in die allgemeine Leistungskurve, denn er ist am frühen Morgen schon fit und kann es kaum erwarten endlich aktiv zu werden. Mittags, wenn er dann nachhause kommt, braucht er einige Zeit zum Ausruhen bevor man mit ihm anständig die Hausaufgaben erledigen kann. Die Kurve fällt dann wieder ab und erreicht kurz vor dem Schlafengehen noch einmal eine Spitze.

Wie nutzt man nun die Leistungskurve für effektives Lernen

Wenn man seine Höhen und Tiefen kennt, kann man seinen Lernstoff anpassen. Stoffgebiete, die einen sowieso leichter fallen kann man in den absteigenden Zeiten erledigen. Stoff, den man nicht so leicht versteht, der vollste Konzentration erfordert, sollte an den Spitzen gelernt werden. An den Tiefpunkten sollte man Pausen einplanen. In diesen Pausen sollte man sich wirklich ausruhen und nichts machen, das einen noch mehr müde macht. Was man in den Pausen macht ist hier individuell. Meine Schwester zum Beispiel nutzt solche Zeiten um sich sportlich zu betätigen. Danach ist sie wieder fit und es kann weiter gehen. Ich wiederum bin ein Mensch, der in diesen Zeiten tatsächlich am besten dran ist, wenn er ein Nickerchen machen kann.

Um die Leistungskurve für sein Kind herauszufinden gilt es den Nachwuchs einfach zu beobachten. Ihr kennt euer Kind am besten. Also könnt ihr auch am besten sehen, ob es gerade sehr müde ist oder sehr aktiv. Ob es sich gerade Richtung Tiefpunkt oder Richtung Spitze bewegt. Ihr könnt das. Als eure Kinder noch Babys waren, habt ihr doch auch genau gewusst, wann es rum raunzt, weil es Langeweile hat oder weil es ins Bettchen wollte. 

Was man vor dem Schlafengehen lernt, merkt man sich besser

Das stimmt. Aber nur dann, wenn man nach dem gelernten Stoff auch tatsächlich schlafen geht. Lernt man einen Stoff am Abend, sieht nachher aber fern, stimmt diese These nicht. Das hängt mit der Aufnahmefähigkeit unseres Gehirns zusammen bzw mit den verschiedenen Abläufen im Gehirn. Dazu gibt es aber wieder einen eigenen Teil. Aber so viel sei gesagt: Hat man zum Beispiel für eine Fremdsprache zu lernen, dann eignet es sich hervorragend am Abend die Vokabeln noch einmal durch zu gehen.

Die Leistungskurve variiert

Abgesehen davon, dass jeder Mensch seinen eigenen Rhythmus hat, ist dieser auch nicht konstant. An einem Tag hat man mehr Spitzen am anderen mehr Tiefen. Schließlich sind wir nicht jeden Tag gleich fit. Körperliche Anstrengungen oder emotionale Herausforderungen beeinflussen diese Kurve natürlich sehr stark.

Also auch hier gibt es kein allgemein gültiges Rezept. Aber man kann sich trotz allem an der Leistungskurve orientieren. Wenn dann einmal ein Tag ganz anders läuft, muss man umplanen. Als Erwachsene schaffen wir das natürlich halbwegs alleine. Ein Kind braucht da noch sehr viel Unterstützung.

In meinem nächsten Beitrag zu “Lernen lernen” zeige ich euch die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne. Auch die darf man beim Lernen nicht außer acht lassen.

Kennt ihr eure Leistungskurve? Seid ihr eher Tag- oder Nachtmensch?

Ich selbst bringe die beste Leistung zwischen 13 und 16 Uhr. Davor und danach bin ich eher weniger fit.

Eure Babsi

Anmerkung: Ich übernehme keine Garantie für die absolute Richtigkeit des Textes und auch kann ich keine Garantie auf Erfolg geben, wenn ihr auf Grund der Leistungskurve lernt. Mein Text soll euch in erster Linie dazu inspirieren, auszuprobieren und einen für euch bzw für euer Kind passenden Weg zu finden. 


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