Ein HAMMER Wochenende

Ich habe ja geschrieben, dass am vergangenen Freitag der letzte Schul- und Kindergartentag war (klicke hier für den Beitrag). Dass wir uns jetzt auf eine entschleunigte Zeit freuen können. Wenn auch nicht auf Urlaub im engeren Sinne. Nun ist das Wochenende vorüber. Ich habe gesehen, dass andere Blogger/innen (muss ich wirklich gendern?) über das 1. Juli-Wochenende geschrieben haben. Ich reihe mich da jetzt eigentlich nicht ein 😉 Es ist reiner Zufall, dass das, worüber ich heute schreibe, ausgerechnet an diesem Wochenende geschehen ist.

Alles begann ja eigentlich schon am Donnerstag. Mein Mupfel bekam plötzlich hohes Fieber. Ohne ersichtlichen Grund. Mein Chaos-Mann ist mit ihm zu unserem Kinderarzt gedüst. Der hat ihn noch dran genommen, obwohl es schon Ende der Ordinationszeiten war. An dieser Stelle möchte ich sagen, unser Kinderarzt ist echt toll. Super nett und total verständnisvoll. Wenn du anrufst und mitteilst, dass du etwas länger brauchst, um da zu sein, wartet er sogar, auch wenn eigentlich schon Schluss ist. Bei ihm merkt man, dass ihm der kleine Patient super wichtig ist (*räusper* Das ist jetzt nicht Werbung sondern meine ganz persönliche Meinung).

Zurück zum Thema. Mein Chaos-Mann fuhr also mit dem fiebernden Mupfel zum Kinderarzt. Der konnte allerdings nichts feststellen, außer, dass der kleine Mann fiebert. Er meinte noch, dass es ein paar Tage dauern kann, bis man auch sieht, was den Mupfel so quält. Fieberzäpfchen bei Bedarf und mehr geht leider grad nicht. Also: Abwarten und Tee trinken!

Am Freitag war es dann wieder besser. Zu Mittag hatte der Mupfel das letzte Mal Fieber und es schien ihm besser zu gehen. Kein Ausschlag, kein Schnupfen, kein Husten. Der Spuk schien vorbei zu sein. Ich habe davon schon einmal gelesen und einer meiner Brüder hatte das auch, als er noch klein war. Immer wieder einmal Fieberschübe aber nichts dahinter. Ein Phänomen von dem ich anscheinend jetzt bei Kind Nummer vier auch betroffen bin. Gegen Abend allerdings wurde er wieder total weinerlich und anhänglich. Sein Fläschchen wollte er auch nicht trinken und in der Nacht hat er dann echt schlecht geschlafen.

Am Samstagmorgen war er dann total niedergeschlagen und wollte wieder nicht aus dem Fläschchen trinken. Das war dann doch sehr ungewöhnlich, denn grad nach dem Aufstehen trinkt er seine Milch beinahe auf einen Zug aus. Er speichelte viel und raunzte. Ich hatte den Eindruck, ihm tut etwas furchtbar weh. Also hab ich ihn zusammengepackt und hab ihn mit dem Chaos-Mann zum Ärztenotdienst geschickt. Bedauerlicher Weise hatte ein Arzt Dienst, der früher einmal einen Handwerksberuf erlernte und bei diesem hätte bleiben sollen. Jedes Mal, wenn wir zu dem hin sind, weil einer unserer Jungs krank war, wurden wir immer mit den Worten „Dem fehlt ja nix!“ nachhause geschickt. Meistens endete dieses „Dem fehlt ja nix“ leider auf der Kinderbettenstation des nächstgelegenen Krankenhauses (am Land bedeutet nächstgelegen zirka 50 km einfache Strecke).

Wie ihr euch jetzt denken könnt, war ich nicht besonders begeistert, aber es blieb mir nichts Anderes über, als zu diesem „Arzt“ zu fahren. Und wie erwartet hat er sich den Mupfel nicht wirklich angesehen. Gerade so hat er ihm ins Ohr geschaut und eine Mittelohrentzündung festgestellt. Mit der Diagnose und der Empfehlung Zäpfchen bei Bedarf schickte er uns wieder nachhause.

Da ich aber nun einmal meine Kinder kenne und wusste, dass das nicht alles sein kann, fuhren wir ins nächstgelegene Krankenhaus mit Kinderbettenstation. In der Hoffnung, einen kompetenten Kinderarzt vorzufinden. Was ich vorfand war allerdings alles andere als kompetent.

Eine Assistenz-Ärztin schaute sich meinen Mupfel an. Eine Ärztin, die aufgebrezelt und überschminkt daher kam. Mein erster Gedanke „Mädel, du hast den Beruf verfehlt“. Vielleicht hat sie zu viel „Grey’s Anatomie“ geschaut. Oder „Dr. House“. Oder wie sie sonst noch alle heißen, diese Arztserien. Ich habe nichts gegen diese Formate. Ganz im Gegenteil. Ich schau die selber ganz gern. Nur würde ich deswegen auch kein Arzt werden wollen.

Ich erzählte diesem Abklatsch von Serienärztin die Lage. Von Anfang an. Kinderarzt, Notdienst, bitte in den Hals schauen, denn da kommen die Schmerzen her. Ich kenne meine Kinder. Und auch wenn der Mupfel noch nicht sagen kann, wo es zwickt, so weiß ich trotzdem wo es ihn schmerzt. Nein, ich bin sicher keine perfekte Mama. Meine Kinder haben auch mal schmutzige Fingernägel, oder fleckige Kleidung an. Aber ich kenne sie und das ist wichtig.

Und was macht diese Frau? Sie misst ihm Fieber. Hatte er nicht. Sie schaut ihm in die Ohren. Da war aber nix (was mich schwer gewundert hat. Hat doch der Notdienst Klempner eine Mittelohrentzündung festgestellt…) Dann horcht sie ewig lange seine Lunge ab. Sie hört da was. Ok. Sie veranlasst eine Blutabnahme. Gut, dann machen wir das.

„Wann schauen Sie ihm in den Hals?“

Da braucht sie eine Schwester dazu. Ok. Wie gesagt, Beruf verfehlt. Wir werden wieder in den Wartebereich geschickt. Nach einer ganzen Weile kommt diese Person wieder und meint:

„Sie müssen unbedingt da bleiben. Ich hör‘ was auf der Lunge. Er braucht Antibiose und Inhalation. Er hat Atemprobleme“

Während sie mir das sagt läuft Mupfel aber herum und hat Spaß. Lacht und plaudert und von Atemproblemen keine Spur.

„Ich bleibe sicher nicht da! Er hat keine Atemprobleme, kein Fieber und mein Mann beginnt am Montag zu arbeiten. Ich habe vier Kinder und keinen Babysitter.“

Sie sah mich eine Weile eindringlich an. Ich starrte zurück.

„Aber ich höre was. Er hat was auf der Lunge.“

„Was hat er denn auf der Lunge?“

Keine Antwort. Dann

„Ich höre eindeutig was auf der Lunge. Er braucht Antibiose“

„WAS hat er auf der Lunge?“

Keine Antwort…

„Seine Entzündungswerte sind auch nicht in Ordnung. Ich höre was auf der Lunge. Er braucht Antibiose“

Das ging ein paar Mal so hin und her. Mein Chaos-Mann erzählte mir später, dass sie MICH angesehen hätte, als wäre ich ein Dummerle. Passiert mir häufiger. Aber ehrlich, wer ist denn da das Dummerle. Naja, ich habe dann gesagt

„Wann, bitte schön, haben Sie denn vor, dass Sie ihm endlich in den Mund schauen?“

„Ich hole die Oberärztin“

„Das ist ja mal eine prima Idee von Ihnen!“

Wieder warten. Und dann kam sie endlich, die Frau Oberärztin. Eine Ärztin, die nicht mit „Grey’s Anatomie“ oder „Dr. House“ groß geworden ist. Wohl eher mit „Dr. Quincy“ oder die Arztserien aus dieser Zeit. Und alles auf Anfang. Wieder alles erzählen. Wieder alles durchchecken. Doch sie sieht, was er hat, bevor er noch richtig den Mund geöffnet hatte. Das nenne ich kompetent. Sie stellte fest: nichts auf der Lunge, nichts in den Ohren, und die Entzündungswerte rühren daher, weil Mupfel eine Herpangina hat. Das sind lauter kleine Fieberbläschen im gesamten Mund- und Rachenraum. Keine Antibiose-Gabe nötig, weil unnötig. Wir können nachhause fahren. Nasentropfen und Schmerzmittel. Das war es. Es wird in etwa ein bis zwei Wochen dauern, dann ist alles überstanden.

Es geht aber schneller. Gestern ging es ihm schon um einiges besser und heute bemerkt man fast nichts mehr. Hätte ich der Assistenz-Serienabklatsch-Ärztin nachgegeben, wär ich jetzt im Krankenhaus und mein Mupfel würde völlig unnötig mit Antibiotika zugepumpt. Wenn diese Art von Ärzten unsere Zukunft ist, dann können wir uns alle gratulieren.

Ein HAMMER Wochenende ist endlich vorbei und jetzt beginnt (hoffentlich) eine entspanntere Zeit. Ich muss mir nur überlegen, was ich beim nächsten Mal mache, wenn einer von uns am Wochenende einen Arzt braucht…

Eure
Babsi

(Beitragsbild von pixabay)

10 Kommentare

  1. Antibiotika wird immer viel zu schnell verabreicht und dann wundert sich die Medizin, dass sie nicht mehr helfen, wenn sie dann wirklich mal notwendig wären. Gut gehandelt. Müsste viel mehr Mütter geben, die ihr Kind so gut kennen und auf ihr Bauchgefühl hören und dementsprechend handeln. Bravo Babsi.

    1. Vielen, vielen lieben Dank für die echt netten Worte. Das gibt mir sehr viel. Ich versteh das auch nicht, warum diese Medis so vorschnell verabreicht werden. Es gibt so viele, echt wirksame Alternativen, die auch der Schulmedizin bekannt sind. Aber sie züchten wohl lieber Superviren…

    1. Danke, es geht ihm schon wieder gut. Man merkt nicht mehr, dass er krank war. Wahrscheinlich, weil er nicht wirklich krank war, sondern es ging ihm einfach nicht so gut. Hauptsache, sie rennen dir mit Antibiotika nach…

  2. Das kenne ich das ist mir mit meinem Sohn auch schon passiert. Er hatte damals eine Lungenentzündung, es war Weihnachten, und ich hab mich blöd anreden lassen von Kinderarzt das ich ihn an Weihnachten „belästige“ obwohl das Kind angeblich nur bißchen fiebert.
    Deinem kleinen gute Besserung

    1. Danke schön. Es geht ihm schon wieder sehr gut. Dein Kommentar landete leider im Spam Ordner. Keine Ahnung warum. Deswegen die Verzögerung mit der Antwort. Tut mir leid. Hoffe, das kommt nicht mehr vor.
      Liebe Grüße von Babsi

  3. erstmal weiter gute besserung an den mupfel. ärzte – das ist schwierig, gerade am wochenende, und meist glückssache. wir haben hier das glück, dass wir eine komplette kinderklinik vor ort haben sowie eine kinderambulanz fürs wochenende. die sind dann meistens kompetent. aber auch dort gibt es immer mal wieder ärzte, bei denen ich mich fragen, wieso man die auf kinder los lässt…..

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