Dieser Artikel richtet sich an Frauen, die erkannt haben, dass sie ihr Leben vor dem 50. Geburtstag gegen die Wand fahren wollen. Und später, mit 80, zurückblicken wollen und sagen können wollen: „Ich entsprach der gesellschaftlichen Norm.“
Für Frauen, die Sudern (österreichischer Ausdruck für Jammern) in den höchsten Tönen praktizieren wollen – so wie ich noch vor ein paar Wochen.
Dann legen wir mal los. Hier die 5 sicheren Wege:
Sei nicht Frau – sei bedienstete deiner Familie
Eigentlich wolltest du das schöne Wetter genießen. Der Winter war sowieso gefühlt viel zu lange. Aber deine Familie will ein ausgefallenes Dinner. Ist doch schön, das Wochenende steht vor der Tür. Alle sind zuhause. Das wird spitzenmäßig.
Also tauscht du Radloutfit gegen Schürze. Stehst drei Stunden in der Küche. Machst, kochst, putzt, wäschst. Dann versammeln sich alle zum Essen und danach gehen sie ihrer Wege. Die Küche putzt sich ja wie von Zauberhand selbst. Nicht?

Oder: du sagst „Nein.“ Denn du hast dich darauf gefreut, das schöne Wetter zu nutzen. Du willst radeln gehen, Sonne tanken. Du machst kein ausgefallenes Dinner, sondern du machst ein Abendessen wie damals. Brot, Aufstriche und gute Gespräche.
Wer auf das Dinner besteht, kann ja selbst den Kochlöffel schwingen. Und dann bitte auch die Küche aufräumen.
Erfülle jede Norm – auch wenn du nicht reinpasst
Dein Kind braucht für den Kindergarten ein handgenähtes Kostüm aus biologisch abbaubarer Alpakawolle? Dein Garten muss aussehen wie aus dem Instagram-Feed, obwohl du eigentlich lieber Wildblumen und Chaos hättest? Perfekt! Verbringe deine Nächte damit, Erwartungen zu erfüllen, die irgendwer mal erfunden hat, um Frauen beschäftigt zu halten. Quetsch dich in diese zu enge Form, bis dir die Luft wegbleibt. Dann hast du wenigstens keine Kraft mehr, über deine eigenen Träume nachzudenken.
Oder: Du merkst, dass du keine Form brauchst. Dass du als Knalltüte sowieso in kein Raster passt. Dass ein unkrautfreier Garten kein Ticket in den Himmel ist, sondern nur ein Ticket für mehr Rückenschmerzen. Und denk mal an die wundervolle Vielfalt im chaotischen Garten.
Stelle dich in jede Warteschlange des Lebens
Wenn du sichergehen willst, dass dein Leben an dir vorbeizieht wie ein ICE an einem Regionalbahnhof, dann warte. Warte darauf, dass die Kinder aus dem Gröbsten raus sind. Warte darauf, dass die Zinsen sinken, das Auto abbezahlt ist oder die Menschen um dich herum endlich von selbst merken, dass du auch mal eine Pause brauchst (Spoiler: Das passiert meistens zeitgleich mit der nächsten Eiszeit). Stell dich ganz hinten an und lass jeden vor, der „wichtiger“ ist als du. Du bist die letzte Priorität in deinem eigenen Terminkalender. So stellst du sicher, dass du mit 80 sagen kannst: „Ich wäre ja gerne…, aber ich war mir selbst nicht wichtig genug.“
Oder: Du merkst, dass die Warteschlange nur in deinem Kopf existiert. Du drängelst dich nicht vor – du bist ein Individuum, das genauso wichtig ist, wie alle andern hier auch. Also warte nicht – mach. Jetzt. In deinem Tempo.
Stelle alles und jeden über dich
Dein Körper schreit nach Schlaf? Egal, die Nachbarin braucht jemanden zum Ausheulen. Dein Kopf platzt vor Ideen? Vergiss es, der Sportverein braucht noch 50 selbstgebackene Muffins für das Sommerfest. Übe dich darin, die Bedürfnisse anderer wie heilige Gebote zu behandeln, während deine eigenen Wünsche irgendwo im Keller zwischen den alten Winterreifen verstauben. Wenn du dich selbst erfolgreich wegrationalisierst, hast du am Ende des Tages zwar keine Energie mehr, aber dafür das Prädikat „Die gute Seele“ – und ein Magengeschwür als Bonus.
Oder: Du erkennst, dass deine Zeit genauso wertvoll und wichtig ist, wie die der anderen. Du wirst die Knalltüte, die zuerst sich selbst respektiert, damit sie danach aus einer Fülle heraus geben kann, statt aus dem letzten Loch zu pfeifen.
Spare alles für später – ob es nun kommt oder nicht
Hüte das gute Geschirr wie einen Staatsschatz. Zieh das schöne Kleid bloß nicht an einem Dienstag an – es könnte ja schmutzig werden. Spar dir das Lachen, das Tanzen und die verrückten Ideen für die Rente auf. Leb in einem permanenten Wartezimmer und sammle Momente wie Briefmarken, die du nie aufklebst. Wer weiß, vielleicht gibt es im Altersheim ja einen Preis für das am besten erhaltene, ungelebte Leben.
Oder: Du benutzt das gute Geschirr zum Frühstücksbrot, denn das hast du verdient. Du feierst den Dienstag, als wäre es dein Geburtstag. Du begreifst, dass „Später“ eine Lüge ist, die uns davon abhält, den Sumpf heute schon mit Lichterketten zu dekorieren.
Jetzt reden wir mal Tacheles
Merkst schon, oder?
Die meiste Zeit beschränken wir uns ganz selbst. Da braucht es nix von Außen. Das Außen, also dein Mann, deine Kinder, Nachbarn, Freunde, Family, die können dich nur solange einschränken, solange du ihnen die Schuld an deiner Stagnation gibst. Wenn du wieder Verantwortung für dich übernimmst, dann können sie dich nicht einschränken. Weil sie es nie gekonnt hätten, wenn du es nicht zugelassen hättest.
Klingt zu hart? Das mag sein. Die Wahrheit ist nun mal kein Glitzer-Glamour-Feenstaub. Sie ist schlammig und stinkig und der Nährboden für deine Entwicklung.
Und bevor du jetzt glaubst, ich rufe hier zur totalen Ego-Show auf: Nein, es geht nicht darum, einsam auf einer Insel zu hocken und alle anderen zu ignorieren. Es geht darum, dass du nur dann wirklich für andere da sein kannst, wenn dein eigener Tank nicht auf Reserve läuft. Eine Knalltüte, die keine Luft mehr hat, knallt halt nicht – sie verpufft nur leise. Verantwortung für dich zu übernehmen bedeutet, die Balance zu finden, in der du dich selbst nicht verlierst, während du für deine Liebsten da bist.
Bereit, wieder Verantwortung für dich zu übernehmen?
Erzähle mir in den Kommentaren, welche Punkte dir einfallen.
Hau raus, ich bin gespannt.
Wir lesen uns =),
Babsi, die Knalltüte

Bilder mit KI generiert, Nano Banana 2
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