Bis vor ein paar Tagen wusste ich ja nicht, was ein Generationentrauma ist. Ganz ehrlich. Den Begriff, den kenne ich. Ist ja jetzt überall zu hören. Doch ich hatte einfach keine Vorstellung davon, was das denn ist.
Bis es mich kalt erwischte. Ohne Vorwarnung. Mitten in die Fresse. Zum Glück trage ich keine Zahnspange, denn die wäre mit Sicherheit verbogen.
Generationentrauma kurz und sehr oberflächlich erklärt: Ein Trauma, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Weil es immer schon so war und immer schon so gemacht wurde, hat gefälligst die nächste Generation das selbe Schicksal zu tragen. Es bedeutet, dass wir oft Ängste, Blockaden oder Überzeugungen mit uns herumschleppen, die gar nicht in unserem eigenen Leben entstanden sind. Ein unsichtbares Erbe unserer Ahnen, das schwer im Handgepäck mitreist.
Trauma ist ein verdammt starkes Wort. Doch nicht jedes Trauma ist als solches zu erkennen. Dachte ich noch bis vor kurzem: Ich? Trauma? Niemals!
Bis ich anfing, mich mit meinen Schatten auseinanderzusetzen. Aber das ist eine andere Geschichte. Heute erzähle ich dir, wie mich ein Generationentrauma erwischte und was ich daraus gemacht habe.
Durch das Generationentrauma Schule
Ein ungutes Gefühl
Schon seit einiger Zeit wurde ich das Gefühl nicht los, dass einer meiner Söhne etwas mit sich herumträgt und sich nicht traut, darüber zu sprechen. Mir ging vieles durch den Kopf. Von echt schlimmen bis ganz harmlosen Dingen.
Du weißt, schlimm und harmlos sind sowieso Adjektive, die sehr mit der persönlichen Wahrnehmung zusammenhängen. Was für den einen schlimm ist, ist für wen anderen Mumpitz und umgekehrt.
Dann, vor ein paar Wochenenden, kam besagter Sohn nicht nachhause. Er fährt lieber zu einem Freund mit. Und wieder dachte ich mir, was ist los? Warum will er jetzt noch nicht einmal nachhause kommen?
Ich schrieb ihm: „Ich vertraue dir. Und du kannst mich nicht enttäuschen. Ich fände es enttäuschend, wenn du mir nicht vertraust. Aber da wäre ich enttäuscht von mir selbst, denn dann hätte ich etwas falsch gemacht.“
Dass er sich daraufhin sofort öffnete, wäre gelogen. Aber ich vertraute darauf, dass er weiß, dass er zu mir kommen kann, wenn was ist. Es vergingen noch einige Tage, da fasste er den Mut.
Ein Geständnis
Es war schon am Abend. Ich kuschelte mich gerade ins Bett, um eine kleine Meditation durchzuführen (ja, im Bett, liegend, ohne Singsang und Räucherstäbchen).
Da bekam ich eine Nachricht: „Mama, ich möchte nicht mehr zur Schule gehen. Ich möchte diesen Weg abbrechen.“
Was jetzt folgt, ist schockierend und befreiend zu gleich. Denn meine Gedanken waren sofort: „Ich tu und mache, versuche, meinen Kindern alles zu ermöglichen und dann ziehen sie nicht durch! Man beginnt Dinge nicht und bricht sie dann ab. Man entscheidet sich, man lebt mit der Entscheidung! Oh mein Gott! Was sollen die Leute denken, die Fmailie, die Freunde! – STOPP! – Babsi, stopp!“
Durchatmen. Jesses, was war das? Wo kommt die Wut her, wo die Enttäuschung?
Druck der Ahnen
Nun stand ich da. Zentrierte mich. Fragte mich: „Was willst DU für dein Kind?“ Und die Antwort war glasklar: „Ich will, dass mein Kind das beste eigene Leben führen kann. Dann darf ich ihm nicht im Weg stehen, sondern den Weg mit ihm gehen, solange er mich braucht und möchte.“
Die Würfel waren gefallen. Es war nicht ich, die da Panik schob. Es waren meine Ahnen. Die erzogen wurden, dass man das macht, was man bekommt. Man macht es bis zum Lebensende. Man wird geboren, man geht zur Schule, man lernt einen Beruf, gründet Familie, baut ein Haus und irgendwann … stirbt man. Dazwischen gönnt man sich vielleicht hin und wieder einen Urlaub – vom Leben. Ein Leben, das man sich so nicht vorgestellt hat.
Schluss mit muss
Mein Sohn muss die Schule nicht abschließen. Er hat lange überlegt. Er meinte sogar: „Mama, wie soll ich mit 16 wissen, was ich für den Rest meines Lebens machen möchte? Ich möchte nicht bereuen, die Schule abgebrochen zu haben. Ich möchte aber auch nicht bereuen, es nicht versucht zu haben diese Lehre zu machen (welche Lehre das ist, ist für den Artikel nebensächlich)“
Du musst nichts. Und Bereuen gehört zum Leben dazu. Ohne Fehler können wir nicht wachsen. Fehler sind erlaubt. Falsche Entscheidungen dürfen geändert werden.
Die Lehre passt hervorragend zu ihm. Er hat eine enorme Leidenschaft für diesen Zweig. Und daher machen wir Schluss mit muss und beginnen mit: du darfst.
Du darfst
Du darfst die Schule abbrechen, weil du dich in 10 Jahren ganz wo anders siehst. Du darfst die gesamte Sparte wechseln, weil deine Leidenschaft woanders liegt. Du darfst dich ausprobieren. Du darfst danach sagen: „War völliger Schwachsinn“ und du darfst dann etwas völlig Neues ausprobieren. Du darfst das. Weil ich es nicht durfte. Weil es deine Oma nicht durfte. Weil es deine Ur-Großeltern nicht durften. Und deswegen darfst du das jetzt machen.
Und während ich diese Zeilen schreibe, wird es mir ganz warm ums Herz. Wir müssen ganz viel in unserem Leben, aber wir dürfen auch ganz viel in Frage stellen, damit wir das beste eigene Leben führen können. Dafür ist es nie zu spät. Ich bin 42 Jahre und fange noch mal von vorne an.
Welches Muss stellst du jetzt mutig in Frage und wandelst es in etwas wundervolles um?
Für dich oder für jemand anderen, den du liebst.
Generationentrauma
Es hat viele Gesichter und es trägt ganz oft, ganz geschickt eine Maske, dass du denkst, es kommt von dir. Beim nächsten Mal, wenn du vor einer Entscheidung stehst, und totale Panik oder Wut oder beides empfindest, dann mach gedanklich einen Schritt zurück und schau hin. Bist es du oder sind es deine Ahnen, die dir etwas flüstern? Und dann entscheide dich für das, was sich richtig für DICH anfühlt.
Wir lesen uns =),
Babsi, die Knalltüte
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