Abschied Homeschooling Erfahrungen
Lernen & Schule

Abschied nach sechs Jahren vom Homeschooling

Lesedauer: ca. 6 min

In diesem Beitrag teile ich unsere ganz persönlichen Homeschooling Erfahrungen – und erzähle, warum wir diesen Weg nun beenden.

2019 – da begann unser wundervoller Weg ins Homeschooling. Wieso wir uns damals (leider) dafür entscheiden mussten, habe ich in einem Beitrag zusammengefasst.

Über die Jahre kamen dann ganz viele, informative Beiträge dazu. Im Anschluss dieses Beitrags findest Du eine Liste der Beiträge. Ich wollte unseren Weg zeigen. Wie Homeschooling funktionieren kann, welche Herausforderungen wir begegneten.

Doch manchmal muss man auch von schönen Dingen Abschied nehmen 🙁

Segel setzen fürs Homeschooling

Wir starteten ins Homeschooling in einer Zeit, in der es noch relativ locker zu ging. Entspannt und motiviert packten wir die ersten Herausforderungen. Wir navigierten mit Stolz durch die unbekannten Gewässer.

Wir entwickelten Methoden zum Lernen und besseren Verstehen. Die Kinder konnten immer ausgeschlafen ans Lernen gehen und sie waren stets frei in ihrer Entscheidung, welche Aufgaben sie wann erledigen.

Sie hatten einen eigenen Stundenplan, an den sie sich hielten und so lernten, wie man sich seine Zeit am vernünftigsten einteilt, damit auch genug Freizeit zur Verfügung steht.

Alles war im richtigen Fluss.

Verschärfungen machten das Homeschooler-Leben schwer

Als dann die Corona-Pandemie begann und die Schulen damit nicht so recht umgehen konnten (kein Vorwurf), meinten plötzlich ganz viele Eltern da draußen, dass häuslicher Unterricht ja easy peasy ist und über 7000 Kinder wurden zum Homeschooling abgemeldet.

Das fand das Ministerium dann nicht so prickelnd und antwortete postwendend mit Verschärfungen.

  • Die freie Schulwahl fiel weg – die Prüfungsorte werden zugeteilt.
  • Vor den Prüfungen gibt es keine Stoffbesprechungen mehr. Auch ein Kennenlernen ist nicht mehr erlaubt.
  • Selbst gestaltete Werke oder Referate werden nicht mehr angesehen.
  • Die Prüfungen werden erst ab Juni abgenommen und das in einem möglichst kurzen Zeitraum.

Es gibt noch eine Reihe mehr. Aber die aufgezählten betreffen die Schüler direkt. Die anderen nur indirekt.

Durch diese Änderungen war Lernen – zumindest bei uns – nicht mehr so frei gestaltbar. Plötzlich lastet mehr Druck auf uns. Druck, den wir eigentlich nicht haben wollten. Der verursacht wurde von Menschen, die sich wenig mit der Realität des Homeschoolings auseinandergesetzt haben – aber dennoch lautstarke Meinungen vertreten.

Diesen Druck konnten wir einige Jahre standhalten. Aber es wird immer schwerer.

Was schön anfing wurde unerträglich

Am Anfang dieses Schuljahres (2024/25) bemerkte ich es schon. Wir waren weder besonders motiviert noch glücklich – und langsam keimte die Frage: Zurück in die Schule?

Von Anfang an war hier Stress und Druck.
Der Stoffumfang gigantisch.
Die Zeit sehr kurz.
Für Ferien kaum Zeit.

Mit jedem Tag wurde die Vermutung, dass Schule wieder eine Alternative ist, immer lauter.

Doch ich sagte nichts. Ich bemerkte allerdings, dass die Kinder auch immer angespannter wurden. Es ist so viel in so kurzer Zeit.

Im Jänner kamen die ersten Überlegungen der Kinder. Wenn sie wieder in die Schule gehen, dann hätten sie vielleicht weniger vom Stress und vom Stoff. Denn, wie wir alle wissen, die Schulen selbst werden oft gar nicht fertig mit dem Jahresstoff. Doch da kräht dann kein Hahn drum.

Wie es mit Kindern so ist, verwarfen sie den Gedanken wieder in die Schule zu gehen ganz schnell – denn sie hätten dann vielleicht auch weniger Freizeit.

Ein Satz, der sie neu überlegen ließ

Vor einigen Wochen musste ich mir ein wenig Sorgen um Mad Max machen. Wie du vielleicht gelesen hast, ist er seit September in einer höheren Schule. Den Beitrag kannst du hier noch einmal nachlesen (klick).

Er war ziemlich am Ende seiner Nerven. Und was mir auffiel, er betrauert, dass er aktuell viel weniger Sport macht, als er eigentlich will. Was mich zu der Frage brachte, ob es an begrenzter Freizeit liegt.

Doch seine Antwort machte auch die Buben hellhörig.

Er meinte: „Da ich im Unterricht immer sehr gut aufpasse und dem Stoff folgen kann, brauche ich für Nacharbeit und Hausaufgaben maximal 1 Stunde.“

Maximal eine Stunde nach dem Unterricht. Das ist nicht viel, beschlossen die Buben.

Die Prüfungen öffneten uns die Augen

Ob nun wieder Schule oder nicht, wurde nicht mehr weiterverfolgt. Es war kein Thema mehr.

Bis zu den Prüfungen.

Zum ersten Mal in den 6 Jahren waren die Prüfungen so unschön, angespannt und negativ behaftet, dass meine Kinder total fertig raus gingen. Erschöpft – regelrecht erschlagen.

Und da kam die endgültige Entscheidung:

Das wollen wir uns nicht mehr antun.

Es ist unfair, ungerecht – untragbar. Das Ganze hat nichts mehr mit Wissensüberprüfung zu tun. Ein Schelm, der Böses denkt, aber es ist hier für mich (und viele andere Homeschooler-Eltern) ganz eindeutig eine Absicht zu erkennen.

Die Schüler sollen zurück an die Schulen. Wenn sie gute Leistungen bringen, dann werden sie einfach immer weiter unter Druck gesetzt – bis sie einknicken und freiwillig zurück gehen.

Und das ist jetzt bei uns passiert. Nicht, weil sie negative Noten hätten, sondern weil sie sich diesem unfairen System nicht mehr hingeben wollen.

An dieser Stelle sei gesagt: Meine Kritik richtet sich nicht an die Lehrerinnen und Lehrer, die Tag für Tag ihr Bestes geben – sondern an die strukturellen Bedingungen und Entscheidungen, die ihnen (und uns) das Leben schwer machen.

Traurig und stolz zugleich

Meine Kinder taten mir leid. Etwas so Schönes wurde uns einfach kaputt gemacht.

Die Gründe? Warum tun die das?

Ich weiß es nicht. In Zeiten von Lehrermangel und viel zu voll gestopften Klassenzimmern müssten die Verantwortlichen doch froh sein, wenn Eltern die Bildung ihrer Kinder selbst in die Hand nehmen.

Sind sie aber nicht. Vielleicht, weil ein Kind, das außerhalb des Systems lernt, nicht so leicht ins Raster passt.

Neben all dieser Traurigkeit und Wut bin ich aber ebenso stolz.

Stolz auf den Weg, den wir beschritten und bestritten haben.
Stolz auf meine Kinder, die in der Lage sind, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen.

Das, was sie im Homeschooling lernen durften, das kann ihnen nie wieder jemand wegnehmen. Die Bindungen, die entstanden sind, kann keiner mehr so leicht zerstören.

Ich werde es vermissen, sie unterrichten zu können. Sie werden es vermissen, zu lernen wo und wie sie es gerade für richtig empfinden.

Doch im Großen und Ganzen sind wir uns zu 100% sicher, dass es die richtige Entscheidung für uns ist.

Neuer Lebensabschnitt – neue Chancen

Alles hat mehr Seiten als nur eine. Veränderung kann anfangs schmerzen. Dieser Schmerz darf auch gefühlt werden. Er hat seine Daseinsberechtigung.

Doch wenn man den Schmerz überwunden hat, wird es Zeit, die Chancen zu sehen. Denn die gibt es auf jeden Fall.

Meine Chancen sind glasklar. Ich habe wieder die Möglichkeiten, am Vormittag all meine Arbeiten in Ruhe zu erledigen. Haushalt, eigenen Projekte, Kundenprojekte und meinen Sport. Natürlich nicht immer alles an jedem Tag. Aber ich habe jetzt deutlich mehr Zeit dafür, denn ich muss mich nicht nach Lernzeiten orientieren. Zumindest nicht am Vormittag.

Und ja, ich freue mich darauf. Obwohl ich genau weiß, dass die ersten paar Wochen eher holprig von statten gehen werden. Schließlich ist es eine Umstellung. Nach so vielen Jahren den Vormittag für mich zu haben ist etwas völlig Neues.

Die Kinder haben die Chance, Schule neu zu erleben.

Es ist eine moderne Schule, die sie besuchen werden. Eine Schule, die jeden Tag ihr Bestes gibt, um das bestmögliche für die Kinder zu bieten. Mit einer Schulleitung, die offen, tolerant und herzlich ist.

Du siehst, ich blicke mit Zuversicht in den neuen Lebensabschnitt. Natürlich habe auch keine Kristallkugel und was jetzt schön klingt kann katastrophal enden. Aber davon gehen wir hier nicht aus.

Und der Nachmittag wird wundervoll. Hausaufgaben gemeinsam erledigen, Schulprojekte gestalten. Das ist dann wie im Homeschooling. Mit dem Unterschied, dass nicht mehr ich ganz allein für die Bildung der Kinder verantwortlich bin. Wenn es wo hakt habe ich starke Partner.

Wenn ein Kapitel endet, beginnt ein neues

Sechs Jahre Homeschooling liegen hinter uns. Eine intensive, lehrreiche, manchmal anstrengende, aber vor allem unglaublich wertvolle Zeit.

Jetzt beginnt ein neues Kapitel. Eines, das wir nicht aus Angst oder Druck betreten, sondern aus eigener Entscheidung. Weil wir gewachsen sind.

Ich bin dankbar für alles, was war – und bereit für alles, was kommt.

Denn auch wenn dieser Weg zu Ende geht: Das Lernen hört nie auf.

Fazit

Homeschooling war für uns kein Ausstieg aus dem System, sondern ein bewusster Weg zu mehr Freiheit, Individualität und Nähe.

Die Bedingungen haben sich verändert – und wir auch. Deshalb gehen wir jetzt weiter. Mit neuen Erfahrungen im Gepäck und der Gewissheit, dass Lernen überall stattfinden kann – solange Herz, Neugier und Vertrauen dabei sind.

Lass mir deine Gedanken da und sag mir, wie du entschieden hättest.

Ich freue mich auf deinen Kommentar =)

Wir lesen uns =),
Babsi, die Chaosbloggerin mit Herz


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Babsi

Name: Babsi Heindl
Beruf:
Mama von 4, Chefassistentin in der Firma meines Mannes, Texterin, Illustratorin, Autorin
Hobbys: zeichnen, illustrieren, nähen, einfach alles Kreative
Kontakt:
babsi@chaoshoch6.at

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2 Kommentare

  1. Eva sagt:

    Mein Sohn wurde während den Externistenprüfungen zur 4. Klasse Volksschule dieses Jahr (24/25) tatsächlich gequält. In einem Gruselkabinett umringt von Anatomischen Puppen zum zerlegen mit herausnehmbaren Organen und einem lebengroßen Skelett wurde er ausschließlich schriftlich geprüft. Er ist 10 Jahre alt und war komplett verängstigt und verstört. Ich habe vor lauter Entsetzen ein Foto von dem Prüfungsraum gemacht. Im Zuge dessen wurden ihm wie bei einer Matura insgesamt 10 Seiten schrifltiches Testmaterial hingestellt und er musste alles allein bewältigen. Für die Kartenarbeit wurde ihm eine verkleinerte Karte von Niederösterreich auf der große 10×10 cm ausgehändigt – auf dieser waren keinerlei Beschriftungen mehr zu entziffern. Es ist unser erstes und gleichzeitig letztes Jahr im home schooling. derartige Schikanen sind in keinster Weise mit der Handreiche des Bundesministeriums zur Gestaltung von Externistenprüfungen vereinbar. Ganz, ganz schlimm – und kinderfreundlich. Wir kommen übrigens auch aus Niederösterreich

    1. sagt:

      Liebe Eva,
      es schmerzt mich, deine Zeilen zu lesen. Das war alles andere als fair oder den Verordnungen entsprechend. Macht ihr diesbezüglich Meldung beim Bildungsministerium? Das kann man auch anonym machen und soll zukünftige Externisten schützen.
      Ich wünsche Euch jetzt mal eine entspannte Ferienzeit und viel Kraft beim Verarbeiten.
      Wie werdet ihr im kommenden Schuljahr weitermachen?
      Du musst hier natürlich nicht darauf antworten =) Aber ich habe auf jeden Fall ein offenes Ohr (oder eher E-Mail-Postfach) und höre Dir gerne zu.

      Fühlt Euch ganz fest gedrückt,
      Babsi, die Chaosbloggerin aus dem Sumpf

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