Was ein Tracker mit Freiheit zu tun hat Titelbild
Körper & Seele

Mein Tracker hat Pause und warum das Freiheit ist

Lesedauer: ca. 3 min

Ja, wir kennen sie. Diese ganzen Tracker, stylisch am Handgelenk. Jeder Schritt wird gezählt, jeder Herzschlag analysiert, Stockwerke berechnet. Und wir denken dann, wir tun uns und unserer Gesundheit einen Gefallen.

Komisch, meine Oma hatte so einen Tracker nicht. Sie lebte trotzdem lange. Sie ging wandern – als Beweise gibt es leider nur Fotos. Keine Statistik.

Der Tracker und ich auf Kriegsfuß

„Hey, sag mal? Wieso hast du heute deine Schritte nicht voll? Und wieso hast du das Dienstagstraining nicht gemacht? Und warum, zum Teufel, bessert sich dein VO2-Max nicht? Bist du etwa faul?“

Ich habe meine Schritte nicht voll? Ich bin den ganzen lieben Tag auf und ab gelaufen und habe den Haushalt von 6 Personen verteilt auf zwei Stockwerke erledigt. Ich war mit den Hunden draußen und habe eine fünf Kilometer-Runde gedreht. Gut, ich hatte da wahrscheinlich eine mega schlechte Pace. Was soll ich tun, wenn der Hund bei jedem Stamm steht, die News liest und dann auch noch ein Like und ein Kommentar hinterlassen will?

„Ich war in der Ladestation, also war ich nicht dabei, also konnte ich das nicht Aufzeichnen – ergo… es ist nicht passiert!“

Jetzt muss ich noch mehr tun

Wie du dir vorstellen kannst, setzte mich das ganze langsam aber sicher unter Druck. Und ich begann zu hustlen. Noch mehr, noch schneller, noch weiter. Der Körper schreit, die Seele versteckt sich. Der Verstand schimpft: „Jetzt mach mal hinne! Das gibt es ja nicht! Andere schaffen das ja auch!“

!!CUT!!

Ich bin nicht andere. Ich bin ich. Und ich weiß, was ich tue. Und ich weiß, dass mir Sport und Bewegung mal Spaß machten. Nein, ich will keinen Marathon laufen – ganz ehrlich – ich will noch nicht einmal 5 km laufen, wenn ich dazu gezwungen werde.

Dann riss das Uhrband. Und ich habe keines in Reserve. Also legte ich die Uhr ab. Und in den ersten Tagen fühlte sich das mega falsch an.

Plötzliche Freiheit

Ich machte meinen Sport. Aber, oh nein, ich kann es nicht tracken. Und mein Mann fragte dann: „Hast du Sport gemacht? Weißt du, dass du Sport gemacht hast? Warum ist es dann nicht schnuppe, dass dein Tracker das nicht weiß?“

Ja, warum eigentlich? Ich stehe eben nicht im Wettkampf-Training. Bei dieser Art Training macht es auch durchaus Sinn, das Training zu tracken, Statistiken zu haben und diese dann zu analysieren. Man kann sein Training verbessern, kann nachjustieren, kann sein Training vollumfänglich reflektieren.

Aber für das gewöhnliche Leben? Ich weiß schon, es soll motivieren. Aber wenn Motivation plötzlich zu Druck wird, dann ist uns doch gar nicht wirklich geholfen. Der Stress steigt womöglich auch – soll aber doch sinken.

Jetzt, wo ich ohne Tracker unterwegs bin, fühlt sich jedes Tun nach Freiheit an. Ich bestimme, wann ich Pause brauche, was ich machen möchte oder eben nicht. Keine Pace, kein Vo2-max, keine Schrittzahl. Und ich fühl mich so viel sportlicher und aktiver als zuvor. Weil ich eben nicht ständig meine eigenen Grenzen überschreite, nur weil es ein Tracker so vorgibt.

Ob meine Kondi steigt oder nicht, fühle ich ja. Ob ich kräftiger werde, bemerke ich doch. Da brauchts keinen Tracker. Und sollte ich doch mal wieder Bock haben, laufen zu trainieren, um an einem Wettkampf teilzunehmen – tja, dann kaufe ich mir das Uhrband nach =)

Wie siehst du die Thematik mit diesen Trackern? Motivation oder Versklavung?

Babsi, die Knalltüte


Titelbild KI-generiert mit Nano Banana


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Babsi

Name: Babsi Heindl
Beruf:
Mama von 4 und Knalltüte
Hobbys: zeichnen, illustrieren, schreiben, lesen, lernen
Kontakt:
babsi@chaoshoch6.at

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