Transformation braucht Zeit
Wachstum & Wandel

Transformation braucht Zeit — und das ist okay

Lesedauer: ca. 4 min

Mir ist vor Kurzem etwas aufgefallen. Überall.

In meinem Instagram-Feed. In den Podcasts, die ich höre. In den Mails, die mir ständig irgendwelche Programme andrehen wollen. Überall die gleiche Botschaft: In 3 Monaten bist du transformiert. In 6 Wochen ändert sich alles. Mit dieser einen Gewohnheit stellst du dein Leben um.

Ich bin jetzt 42, und ich sage dir: Das ist Bullshit.

Nicht böse gemeint. Aber ehrlich: Das ist eine Lüge, der ich lange selbst aufgesessen bin. Und der sitzen wir alle auf. Diese Erwartung, dass Transformation schnell sein muss. Dass sie sauber sein muss. Dass man mit genug Disziplin, genug Apps, genug Systemen in wenigen Wochen ein anderes Leben hat.

Nein.

Das geht nicht so. Und wenn wir anfangen, das zu akzeptieren, wird alles anders.

Schnell… geht mal gar nix

Schnell geht mal gar nix. Außer vielleicht der Verlust des Geldes für das nächste Programm, das dir die ultimative Abkürzung verspricht.

An dem Tag, als mein Vater starb, saß ich bei ihm am Bett. Ich sah, wie er seine letzten Atemzüge machte. Meine Gedanken in dem Moment: „Was ist nur mit meinem Leben geschehen? Nie konnte ich ihm von großartigen Erfolgen erzählen. Nur von großartigen Tagträumen.“

Mein Entschluss stand fest – nach einer Trauerzeit und Lebensverweigerung von drei Wochen – dass sich grundlegend was ändern muss.

Denn ich lebe nicht das Leben, das ich leben möchte. Ich lebe es nicht dort, wo ich es leben möchte. Und ich habe nicht die Verbindungen, die ich möchte und die mir zustehen.

Ja, zustehen! Mein Geburtsrecht.

Und wie gerne hätte ich dann gehört, dass es ein Programm gibt, das mir meine Träume garantiert in 6, 12, 16 Wochen erfüllt.

Doch die Wahrheit ist, das gibt es nicht. Es ist ein Prozess. Du musst mit dir und deinem Leben aufräumen. Du musst ganz tief hinabsteigen in die dunkelsten Ecken deiner Seele (oder Erinnerungen, wenn dir das besser schmeckt). Du gehst durch Schmerz, den du begraben hast.

Doch die Wahrheit lässt sich hier halt nicht gut verpacken in der Licht und Liebe Community. Das ist kein Glitzer-Glamour-Feenstaub-Glanz. Es ist dreckig. Es stinkt. Es schmerzt.

Ganz wichtiger Hinweis: Wenn du Traumata aufarbeitest, dann suche dir bitte entsprechende Hilfe und gehe nicht allein da durch, wenn du merkst, du stürzt ab. Nicht jedes Trauma ist allein zu bewältigen.

Transformation – Wie ich sie erlebe

Es ist nicht eine Entscheidung, die du triffst. Transformation beginnt zwar mit einer Entscheidung, doch ab da stehst du täglich vor deinen Schatten, deinen Herausforderungen und musst dich täglich entscheiden.

Täglich reagierst du auf Dinge und musst dir im Nachgang die Frage stellen, warum du genauso reagiert hast. Ist es ein alter Glaubenssatz? Kulturell oder gesellschaftlich geprägt? Eine Kindheitserfahrung, die du nie aufgearbeitet hast?

Transformation ist nicht nur heiliges Meditieren mit Sing-Sang und Räucherstäbchen (wie Meditieren in jeden Alltag passt habe ich im Artikel „Meditation hat viele Gesichter“ zusammengeschrieben). Es ist nicht nur visualisieren oder manifestieren. Das sind Werkzeuge. Verdammt gute Werkzeuge, wenn man seine passenden gefunden hat. Doch du musst auch reflektieren. Transformation ist harte Arbeit. Psychisch oft sehr anspruchsvolle Arbeit, denn du musst dich umprogrammieren. Täglich. Neu. Du gehst im Trial-and-Error-Modus durch den Tag, reflektierst, analysierst und änderst, sofern es notwendig ist.

Und DAS hast du nun mal nicht in 3 Monaten erledigt.

Ein Lichtblick

Wenn du das so liest, könntest du dir vielleicht denken, dann ist es gemütlicher, so wie es ist. Ja, da zu bleiben, wo man es zwar nicht mag, wo man sich aber besser auskennt als in der eigenen Westentasche, ist gemütlich. Da ist es safe. Das erzählt dir dein Verstand. Bleib da, ändere nichts, lass laufen, das kennst du, das kannst du. Das nenne ich liebevoll die Verstand-Panik.

Aber ich kann dir sagen, dass sich die Mühe lohnt. Mein Weg oder meine Reise begann im März und ich habe schon unzählige Meilensteine erreicht. Ja, ich habe auch viel geweint, geflucht, verwunschen und wollte schon mehr als einmal das ganze Transformations-Gschmus über Board werfen.

Doch ich bin mehr als nur froh, dass ich dranbleibe. Denn positive Ereignisse häufen sich tatsächlich mehr als negative. Ich sage nicht, dass nichts Negatives mehr passiert. Das wäre eine fette Lüge. Doch ich gehe damit viel relaxter um. Im Artikel „Denke positiv, dann passiert nix Negatives – Schwachsinn“ gehe ich näher darauf ein.

Meine Ausstrahlung ändert sich. Menschen kommen auf mich zu. Verbindungen entstehen, von denen ich noch nicht einmal zu träumen wagte =)

Schade nur, dass ich das alles meinem Papa nicht mehr erzählen kann. Zumindest nicht auf herkömmliche Weise. Spirituell und energetisch betrachtet ist er mir nahe und weiß es. Biologisch betrachtet ist er auch immer bei mir, denn ich bin schließlich aus einem Teil seiner Bausteine gemacht 😉

Transformation – braucht Zeit und das ist okay

Ja, das wollen wir nicht hören. In unserer schnelllebigen Zeit wollen wir schnelle Lösungen. Am besten vorgestern schon.

Doch das ist nun mal nicht drinnen. Die einen gehen schneller, andere langsamer und alles ist richtig. Hin und wieder frustriert man, weil man im Innen schon total weit ist, die Realität aber leider träge und hinterher hinkt. Aber aufgeben ist nicht. Denn was du nicht kannst, ist ent-wissen, du kannst dich nur ent-wickeln. Wenn du mal die ersten Erfolge siehst, spürst und erlebst – dann kannst du einfach nicht mehr umkehren. Du kannst nämlich nicht nicht-wissen. Und ab da wird es leichter.

Jetzt erzähle mir mal: Wie sieht dein schönes Leben in drei Jahren aus?

Warum in drei Jahren? Ein weiser Kopf hat einmal gesagt: Wir überschätzen, was wir in einem Jahr schaffen, aber unterschätzen, wozu wir in drei Jahren fähig sind 😉

Und wenn du spürst und fühlst, welche Person in drei Jahren bist, dann nimm dieses Gefühl, speichere es dir ab und sei schon heute die Person von morgen.

Babsi, die Knalltüte (geht jetzt meditieren)


Titelbild von Chil Vera auf Pixabay

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Babsi

Name: Babsi Heindl
Beruf:
Mama von 4 und Knalltüte
Hobbys: zeichnen, illustrieren, schreiben, lesen, lernen
Kontakt:
babsi@chaoshoch6.at

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