Keine SoKi für meine Kinder

soki

Kennt ihr den Ausdruck „SoKi“? Bei uns ist das die Sonderkinderpädagogin. Sie hat einen speziellen Job. Die SoKi betreut mehrere Kinder in verschiedenen Kindergärten. Ihr Job ist es, die Kinder zu Beobachten und deren Entwicklungsstand zu überprüfen. Zuerst in der Gruppe und dann in Einzelgesprächen. Wenn es Auffälligkeiten gibt werden Elterngespräche angesetzt und die Eltern werden dann an die verschiedensten Stellen verwiesen. 

Für mich ist die „SoKi“ ein Mensch, der die Kinder bewertet und dann in Schubladen einteilt. Und diese Schubladen heißen „Verhaltensauffällig“ und „Entwicklungsrückstand“. Mehr gibt es wohl nicht. Und deswegen dürfen meine Kinder nicht von der SoKi in Augenschein genommen werden. Denn ich habe verdammt schlechte Erfahrungen gemacht.

Es war der rote Schneemann

Als mein Pubertier in den Kindergarten ging, habe ich unterschrieben, dass er von der SoKi angeschaut werden darf. Und eines Tages, als ich ihn abholte, sagte mir die Gruppenleiterin, dass sie mich kurz sprechen müsse. Also wartete ich und war schon ziemlich gespannt, was denn nun so unheimlich wichtig wäre. Ich dachte, dass mein Sohn vielleicht etwas geschrottet hätte, oder zu einem Kind gemein war, oder, oder, oder.

Endlich kam sie zurück und erklärte mir, dass mein Sohn auffällig wäre. Ich fiel aus allen Wolken. Wie auffällig? Es stellte sich heraus, dass die Kinder die Aufgabe hatten, einen Schneemann zu malen. „Und? Hat er keinen gemalt?“ Die Antwort war: „Doch. Aber einen roten.“ Ich stand mal da und wusste nicht, was sie mir damit jetzt sagen möchte. Ok, er hat also einen roten Schneemann gemalt. Die Leiterin „Naja, wissen Sie, Schneemänner sind doch weiß.“ Also ich verstand immer noch nicht, wo jetzt genau das Problem lag. Ich fragte meinen kleinen Sohn, warum sein Schneemann rot sei. Er meinte nur, weil ihm rot eben gefällt. 

„Ja, und wissen Sie, die SoKi hat auch einige Probleme festgestellt. Ein Elterngespräch wäre hier schon von Nöten.“ Als ich dann mit meinen Sohn nachhause gegangen bin, habe ich mit ihm über den roten Schneemann geredet. Es war mir völlig unverständlich, wieso man da so ein Drama daraus macht. Mein Pubertier war aber immer schon ein kleiner Wiff-Zack. Er konnte mir erklären, wie er den Schnee rot bekommen würde, wollte er einen roten Schneemann bauen. Ja, dieses Kind ist ganz sicher verhaltensauffällig. 

Die SoKi in Erklärungsnot

Dann kam der Tag des Elterngespräches. Und stellt euch das mal vor: Ich war nicht überzeugt davon, dass mit meinem Sohn etwas nicht stimmt. Ich ließ mir das nicht gefallen. Plötzlich kam sie mit immer mehr „Verhaltensauffälligkeiten“. Und weil ich darauf bestand, dass diese „Verhaltensauffälligkeiten“ den schönen Namen „Kreativität“ tragen, kam sie plötzlich mit „Entwicklungsrückständen“. Weil die Zeit knapp wurde, machte sie einen Folgetermin mit mir aus. Dumm, wie ich da noch war, stimmte ich zu. Und eine Woche später sollte man sich wieder treffen.

Die SoKi braucht Hilfe

Die Woche war dann nicht so toll. Ich wurde im Kindergarten schief angeguckt von den Erzieherinnen. Was bin ich nur für ein Mensch? Lehne mich gegen die SoKi auf. Und dann kam schon der Tag des erneuten Elterngesprächs. Und jetzt haltet euch fest: Die SoKi hatte sich, weil sie mir nicht Herr wurde, das Jugendamt zur Hilfe geholt! Und alles fing von vorne an. Wieder die selben „Anliegen“ und wieder bestand ich darauf, dass das doch kreativ und nicht auffällig ist. Die Beamtin stimmte mir zu. Auch sie verstand die Aufregung um den roten Schneemann nicht. 

Und wieder schwenkte die SoKi um. Plötzlich kamen wieder die „Entwicklungsrückstände“. Doch da konnte ich nicht dagegen gehen. Die Beamtin schlug sich auf die Seite der SoKi und ich bekam den Auftrag, meinen Sohn anschauen zu lassen.

Der Untersuchungsmarathon

Also hatte ich nun die Weisung bekommen, dass ich mit meinem Sohn die Psychologin aufsuchen müsse und den Kinderarzt. Da ich ein sehr kooperativer Mensch war, bin ich also zur Psychologin gegangen. Hab mich ihren Fragen gestellt, worauf sie da schon meinte „Ich weiß nicht, was Sie hier wollen.“ Na, ICH auch nicht. Trotzdem nahm sie dann meinen Sohn und machte hinter geschlossenen Türen einige Tests mit ihm. Resultat „Ein kreativer Junge, sprachlich begabt, im logischen Denken viel weiter als andere in seinem Alter. Keine Auffälligkeiten.“ Könnt ihr euch vorstellen, wie sehr ich mich da geärgert habe? Nicht, weil er nichts hatte. Sondern weil einer Mutter die Fähigkeit abgesprochen wird, dass sie ihr Kind richtig einschätzen kann.

Gut, also bei der Psychologin kam nichts raus. Ab zum Kinderarzt. Wieder unzählige Fragen gestellt bekommen. Wieder wird mein Kind getestet (zum Affen gemacht). Und was stellt der Kinderarzt fest? Nichts. Genau nichts. „Ich weiß jetzt ehrlich nicht, was ich mit ihrem Sohn machen soll? Dem fehlt nichts. Er ist in Ordnung. Das, was die SoKi behauptet gesehen zu haben sehe ich nicht.“ Na ich war vielleicht angefressen. Ich bedankte mich bei ihm, versuchte ihm nicht zu zeigen, dass ich auf 180 war, schnappte mein Kind und fuhr wutentbrannt zu meiner Betreuerin am Jugendamt. 

Ihr sagte ich, was wir jetzt durch haben. Und dass weder die Psychotante noch der Kinderarzt bestätigen können, was die SoKi da verzapft. Dass ich mir das nicht gefallen lasse und dass sich die SoKi in Zukunft von meinem Sohn fernhalten muss, sonst schepperts. 

Die Retourkutsche

Am nächsten Tag habe ich dann natürlich auch im Kindergarten Stunk gemacht. So geht es schließlich nicht. Ich habe da Zeit und Geld versch…… Damals war ich nämlich schon im Home-Office tätig und da bekam ich nur für geleistete Arbeit Geld. In der Zeit des Untersuchungsmarathons habe ich keine Arbeit geleistet, ergo kein Geld verdient und obendrein noch eines ausgegeben für Treibstoff. 

Ich unterschrieb einen Wisch, dass sich die SoKi von meinem Sohn fernhalten muss. Na die war vielleicht sauer. Und ließ das nicht auf sich sitzen. Irgendwie hat sie es geschafft, dass das Jugendamt dem Kinderarzt (alter, das jetzt schon heftig) die Weisung gab, er MÜSSE sich noch einmal vergewissern, dass alles in Ordnung ist und MUSS meinem Sohn eine Ergotherapie verschreiben. Voll arg, oder?

Der Kinderarzt war von dieser Weisung wenig begeistert. Er war sauer. Stinksauer. Auf mich! Aber egal. Er überwies mich mit der Notiz „dringend“ an das Therapiezentrum. Dort kam dann eine ganz liebe Therapeutin und untersuchte noch einmal meinen Sohn. Stellte fest, dass er nicht zwingend eine Therapie braucht. Der angebliche „Rückstand“ war so minimal, dass er eigentlich gar nicht auffiel. Und trotzdem musste sie ihm einen Platz geben. Weil sie vom Kinderarzt, der Gleichzeitig der Leiter der Einrichtung war, die Weisung bekam. Weil er die Weisung vom Jugendamt bekam. Und alle waren sauer, denn es ist schwer, einen Platz zu bekommen und es gibt Kinder, die diese Therapien wirklich wirklich brauchen.

Das Ende vom Lied

Mein Sohn machte die Therapie. Die SoKi durfte ihn nur mehr aus der Ferne ansehen. Das Jahr ging zu Ende und er kam in die Schule. Nie hat danach jemand jemals wieder behauptet, es würde mit ihm etwas nicht stimmen. Die SoKi wurde ausgetauscht.

Jetzt habe ich wieder ein Kind im Kindergarten und die SoKi, auch wenn es nicht mehr die selbe ist, darf mein Kind nicht Bewerten und in Schubladen stecken. Das war auch voriges Jahr so. Da waren sie zu zweit im Kindergarten. Und bei den Elterngesprächen mit den Betreuerinnen kam bei beiden raus „Kreative Kinder, können sich gut einfügen, sind Blitzmerker, sozial sehr kompetent, ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und total lieb.“

Und wisst ihr, was ich total auffällig finde? Sehr viele der Kinder, die von der SoKi (in unserem Kindergarten) begutachtet werden, sind „Verhaltensauffällig“ bzw weisen „Entwicklungsrückstände“ auf. Ich gehöre ja nicht unbedingt zu den Verschwörungstheoretikern, aber da vermute ich dann doch was dahinter…

Wie seht ihr das? SoKi: ja oder nein? Habt ihr auch so Erfahrungen gemacht? Ging der Einfluss vom Jugendamt zu weit, oder war das noch im grünen Bereich? Brauchen wir wirklich Kinder nach Lehrbuch?

Eure Babsi


 

10 Kommentare

  1. Hut ab, Babsi!
    Ein feiner und notwendiger Text mit der berechtigten Entruestung bezueglich der ‚Produktion‘ des staatlich normierten und geformten und vor Allem gehorsamen deutschen Staatsbuergers der Zukunft.
    Jeder Staat illegitimiert sich, wenn er die Freiheit seiner Buerger derart einschraenkt, dass z.B. Eltern in JEDEM Fall vorgeschrieben werden kann, was sie mit ihren Kindern ‚anzustellen‘ haben. Schon gar, wenn ein ‚Ungehorsam‘ der Eltern – sofern die nicht gegen geltendes Strafrecht verstossen – zur Einschaltung des zustaendigen Jugendamtes fuehrt, denn es duerfte mittlerweile hinreichend bekannt sein, mit welcher selbstgerechten Selbstgefaelligkeit Jugendamtsmitarbeiter in der Lage sind, elterliche Rechte auszuhebeln.
    Ganz im Ernst…wenn sowas mir ‚passiert waere, haett‘ dort der Teufel getanzt!

    Manoel

    1. Hallo Manoel,
      danke für dein Lob. Ich finde es falsch, wie mit den Eltern umgegangen wird. Und ich finde es schade, dass sich so wenige Eltern trauen, etwas zu sagen. Weil sie schon regelrecht Angst haben. Somit liegt die Macht in deren Händen und man ist fremdbestimmt. Aber mit mir nicht mehr 😉 Der Teufel tanzte… mehr oder weniger. In meinem Fall war es so, dass ich das Gefühl hatte, dass selbst die Beamte nicht der Meinung war, es bestünde Handlungsbedarf. Dass sie die Seiten wechselte liegt eher daran, dass auch sie Weisungsgebunden ist. Irgendjemand, der in der „Nahrungskette“ über ihr stand, muss die Weisung gegeben haben. Ich werde es nie erfahren. Sache ist, dass ich mir seit damals zuerst einmal gar nix gefallen lasse 😉
      Liebe Grüße Babsi

  2. Echt arg. Ich hätte genauso gehandelt wie du.
    Ich verstehe nicht, wieso den Eltern immer jegliche Kompetenz abgesprochen wird.

    Aber ja, auch an Kindern kann man super verdienen und alles braucht eine Daseinsberechtigung…

    Es ist toll, wenn es Hilfen gibt, wenn die Eltern das brauchen UND wollen. Alles andere ist Entmündigung.

  3. Oh mein Gott, das ist ja schrecklich! Kann verstehen, dass du deine Kinder nicht mehr von der SoKi anschauen lässt.
    Wegen einem roten Schneemann so ein Theater?! Und bei vielen Kindern die aber wirklich Verhaltensauffällig sind werden Auffälligkeiten als „Phase“ abgetan, aber wegen einer Zeichnung wird ein Aufstand gemacht. Ist ja schon fast zum Lachen.
    Ich finde es so schrecklich dass in unserer Gesellschaft immer so in Schubladen gedacht wird und man Verhaltensauffällig ist nur weil man nicht mit dem Einheitsbrei mitschwimmt.

    Lg Manu

    1. Hallo, Manu
      Ja, es wäre wirklich zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Ich fand das damals ganz schön derb und was noch viel schlimmer war, war, dass mein Sohn aufhörte zu malen und zu zeichnen. Das war sehr traurig. Seit zwei Jahren ungefähr zeichnet er wieder und es sind echt schöne Bilder, die er da zeichnet.
      Es ist tatsächlich schrecklich und total unnötig. Wenn es nach dem geht, dann bin ich komplett meschugge und gehöre in die geschlossene Anstalt, in eine Gummizelle, mit Zwangsjacke.
      Ich bin eindeutig für mehr Individualität mit allen Vor- und Nachteilen und vermittel das auch meinen Kindern.
      Ganz liebe Grüße Babsi

    2. Hallo Babsi!

      Es ist total schade, dass er damals aufgehört hat zu malen und zu zeichnen 🙁 Zum Glück hat er wieder damit angefangen.
      Ich bin auch für mehr Individualität. Leider beginnt dieses Schubladendenken ja schon total früh. Meine Mädels werden jetzt 11 Monate alt und werden schon in Schubladen gesteckt – eigentlich schon seit klar war, dass es Mädchen werden. Ich hatte das Glück, dass ich ganz viel Kleidung geschenkt bekommen habe und so eigentlich nichts kaufen musste für die 2. Ich wollte ihnen aber auch gerne was kaufen und hab mich deshalb für Bodies von den Lieblingsbands ihres Papas entschieden – die waren schwarz mit einem Aufdruck drauf – dann wurde mir von ganz vielen Menschen erklärt „aber die sind ja gar nicht in Mädchenfarbe“‚ – Ja und?! Ich mag Mädchenfarben gerne, wir haben viele Mädchenfarben, aber man kann doch auch was anderes tragen wenn man ein Mädchen ist! Und wer sagt eigentlich was Mädchen- und was Jungsfarben sind?! Da fangen die Schubladen ja leider schon an 🙁

      Lg Manu

    3. Oh je, da hast du leider recht. Das fängt eigentlich da schon an (im Bauch, wenn das Geschlecht bekannt ist) und hört niemals auf. So schade. Soll ich dir was verraten? Ich hab doch nur Jungs…aber ich hatte da mal so extrem süße Bodies…die eigentlich für Mädels sind…und so Hoserl für den Sommer…auch eigentlich für Mädels…sie haben sie trotzdem getragen. Weil es überhaupt so einem kleinen Wurm am Ar… vorbei geht.
      Keine Ahnung, wer genau bestimmt, welche Farbe für welches Geschlecht gehört. In der Wikingerzeit war Rot die Farbe der Männer und Blau die Farbe der Frauen…vielleicht sollte ich da mal darüber schreiben…

    4. Oh das sah bestimmt süß aus. Hier wird auch alles getragen, ob pink, blau, lila, braun, … völlig wurscht – ich hab keine Lust auf Schubladen!
      Außerdem sehen sie sowieso in allem süß aus 🙂
      Ja das wär bestimmt ein guter Beitrag – ich würd ihn lesen!

      Lg Manu

    5. Na klar 🙂 Total süß 😉
      Ja, ich wollte mich ja nicht direkt zum Genderwahnsinn äußern, aber das wäre ja mal ein ganz anderer Ansatz.
      Viel Recherche…also wird einige Zeit dauern, aber ich denke, da kommt was 😉

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