1. Monat Schule vorüber
Leben mit Kindern

Das erste Monat in der Schule

Wir hatten heuer wieder einen Schulanfänger 🙂 Unser Mad Max begann am 5. September mit der 1. Klasse. Am Anfang dachte ich noch, das wird schwierig mit ihm. Denn wenn er keine Lust hat, kann er richtig stur sein. Ich würde mit ihm stundenlang diskutieren müssen und am Ende wären wir alle frustriert. Er, seine Lehrerin und ich. Aber es kam doch ganz anders. Ich habe einen Weg gefunden, der so naheliegend war, dass ich ihn fast übersehen hätte.

Die Sache mit dem Nicht-wollen

In den ersten zwei Wochen gab es noch kaum Hausaufgaben. Doch es gab eben welche und die langweilten meinen Sohn. Wir diskutierten und stritten und am Ende fetzte er sie dann einfach mal so hin. Schön war was anderes und ich ärgerte mich natürlich, denn ich wusste, dass er das besser kann.

Irgendwann meinte Mad Max „Mama, warum macht die Lehrerin das? Immer gibt sie doofe Hausaufgaben, die keiner machen will, weil wir das schon im Kindergarten gemacht haben. Das macht nun wirklich keinen Spaß mehr.“ Da ging mir dann ein Licht auf. Wenn die Lehrerin Hausaufgaben gibt, die die Kinder eigentlich in der Vorschulgruppe gemacht haben, dann will sie wahrscheinlich nur den Wissensstand der Kinder überprüfen, damit sie weiß, wo sie mit den Kindern anfangen kann und in welchem Tempo sie mit ihnen Arbeiten kann. So hab ich ihm das dann auch erklärt. Was ihm zu dem Schluss brachte: Bessere Hausaufgaben – schnelleres Vorankommen. Von da an flutschte es.

In der dritten Woche ging es dann los

Endlich ging es richtig los. Mad Max war sehr glücklich darüber. „Mama, ich muss ein Gedicht lernen und im Lesebuch muss ich dir die Schilder vorlesen und Zahlen muss ich auch schon schreiben.“ Jetzt wurden seine Erwartungen an die Schule erfüllt und er hatte Spaß daran.

Doch irgendwie war das mit den Hausaufgaben machen richtig anstrengend mit ihm. Wenn er schreiben muss und die Schwungübungen machen muss, da ist er mit vollem Körpereinsatz dabei. Er kann nicht still sitzen. Zwischendurch steht er auf. Stellt sich von einem Bein auf das andere. Kurz: er zappelt die ganze Zeit.

Ich fand das nicht so toll und ermahnte ihn immer wieder, dass er sich konzentrieren soll und still sitzen bleiben soll. Dass es so nix gscheites werden kann mit der Hausaufgabe. Wieder Diskussionen, wieder Streit, wieder hingefetzte Hausaufgaben.

Doch die Lösung für das „Problem“ kam schnell

Ich kenne Mad Max. Klar, ist ja mein Sohn. Wäre schade, wenn ich ihn nicht kennen würde. Also weiß ich, dass er jemand ist, der sich viel bewegen muss. Er kann nicht still sitzen. Und er kann nicht still sein. Er redet gern und viel. Nicht alles, was er sagt, ist passend. Typisch Kind halt. Ganz ehrlich, ich war am Rande des Wahnsinns. Ich dachte mir, wenn er in der Schule auch so ist, dann bekommen wir Probleme.

Ich war der festen Überzeugung, ich MÜSSE dafür sorgen, dass er still sitzt, um es richtig zu machen. Doch dann habe ich einen Artikel von Tollabea gelesen. Darin schreibt sie, dass Kinder nicht still am Tisch sitzen müssen. Dass die Kinder selbst am besten wissen, wie sie lernen und Hausaufgaben machen können. Den Text könnt ihr hier nachlesen. Für mich kam er wie gerufen. Denn er nahm mir eine große Last von den Schultern. Sie sagt, zumindest habe ich das so aufgefasst, „Lass dein Kind nur machen!“ Also lasse ich ihn mal machen.

Wie sieht das nun aus

Tja, wahrscheinlich ganz witzig und ich selbst frage mich ständig, wie man sich denn so konzentrieren kann. Mad Max sitzt selten. Er steht lieber. Wechselt den Platz. Steigt von einem Bein auf das andere. Wenn er doch mal sitzt, dann wippt sein Fuß. Er ist ständig in Bewegung. Je mehr er sich auf etwas konzentriert umso mehr bewegt er sich auch bzw spricht, singt oder summt er.

Seit bei uns die Hausaufgaben nicht mehr still erledigt werden funktioniert das besser und auch schöner. Und ich wünschte, ich hätte das bei meinem Pubertier schon gewusst. Denn bei ihm habe ich noch darauf bestanden, dass er lernen muss, dass man Hausaufgaben still macht. Ich hätte uns viel Frust erspart. Aber auch bei ihm ist es jetzt so, dass ich ihn mal machen lasse. In der Hoffnung, dass ich das wieder in Ordnung bringen kann bei ihm.

Das beste zum Schluss

Ich habe Mad Max gefragt, ob er das in der Schule auch machen darf. Also rumzappeln und quatschen. Seine Antwort: „Ja, das dürfen wir. Nur wenn die Frau Lehrerin mit uns spricht und uns etwas zeigt, nur dann müssen wir ganz still sein.“ Das finde ich so toll. Denn es zeigt, dass sich die Schule auch auf die Kinder einlässt. Die Lehrkräfte dürfen den Unterricht Schülergerecht gestalten. Sie dürfen zum Beispiel entscheiden, dass die Kinder eine Pause brauchen, auch wenn die Glocke noch gar nicht geläutet hat.

Es hat sich wohl einiges getan, seit ich in die Schule ging. Gut, ist ja schon ein Weilchen her. Aber diese Entwicklung gefällt mir sehr. Wenn auf die Lerntypen, so gut wie es im Klassenverband geht, Rücksicht genommen wird. Jedes Kind braucht etwas anderes. Ich, zum Beispiel, brauche viele Farben, um gut lernen zu können. Ich falle in den visuellen Lerntyp hinein. Mein Mann wiederum braucht verschiedene Töne plus die Bewegung. Mad Max braucht das anscheinend auch. Pubertier möchte mit seiner freien Hand Papier zwischen den Fingern rollen. 

Ich werde mich in Zukunft ganz auf meine Kinder verlassen. Denn sie wissen, was sie tun.

Habt ihr auch ein Kind, das nicht still sitzen will? Das vielleicht in einer Hand den Stift hält und in der anderen etwas anderes? Oder will es singen oder plaudern? Dann lasst es einfach mal. Ich weiß, ist schwer. Überhaupt, wenn man selbst als Kind gedrillt war auf „Hinsetzen, Klappe halten“ Aber diese Zeiten sind vorbei 🙂

Eure Babsi

Update: zu diesem Beitrag gibt es einen Nachtrag, da mir auf verschiedenen Kanälen nahegelegt wurde, mein Kind hätte ADHS. Bitte {„type“:“block“,“srcClientIds“:[„d4cfd7d7-ab25-4df8-9eb1-6d8e7a4b3a94″],“srcRootClientId“:““}hier entlang…


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