Wie stark die Vergangenheit die Gegenwart beeinflusst

vergangenheit und gegenwart

Heute nehme ich euch mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Aber nicht sehr weit. Ein wenig über zwei Jahre. Nämlich, wie ich mit meinem vierten Kind schwanger war. Keine Sorge, es wird kein Schwangerschaftsbericht in dem Sinn. Ich möchte euch von einem Augenblick erzählen, der so unschön war, dass er sich auf ewig in meiner Seele eingebrannt hat. Noch heute reagiere ich empfindlich, bei einer Kleinigkeit, die mir vorher eigentlich immer egal war.

Das lange Warten

Ich muss ganz kurz etwas ausholen, damit auch klar wird, warum mich diese eine kleine Kleinigkeit so verletzt hat. Sonst bliebe das vielleicht unklar oder ich würde als überempfindlich betrachtet.
Als mein Mann und ich uns dazu entschlossen haben ein viertes Kind zu bekommen, setzte ich die Pille ab. Das war im Sommer 2012. Normalerweise wurde ich immer schnell schwanger. Einmal wurde ich sogar trotz Pille schwanger. Doch, diese Info ist wichtig.

Diesmal war es so, dass ich aber nicht schnell schwanger wurde. Im Sommer 2013, also ein Jahr später, war ich immer noch nicht schwanger. Dafür äußerst frustriert. Wollten wir doch unbedingt noch eines. Im Winter gab ich dann auf. Ich dachte mir, es soll einfach nicht sein. Das Thema ist erledigt. Wir begannen sämtliche Babysachen herzugeben bzw zu entsorgen. Nur der Wickeltisch und eine Schachtel voll mit Erstlingsgewand blieben.

Im Frühjahr 2014 begannen dann die ersten Bewerbungsgespräche. Ich suchte einen Job als Aushilfe für Samstage. Wäre so sehr gut zum vereinbaren gewesen mit meinem Mann, der ja noch die Schule besuchte. (In “Neue Wege” hab ich von seiner Ausbildung erzählt) Doch irgendwann stellte ich fest, dass meine Periode ausblieb.

Kurz später hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Meine ersten Gedanken waren eher ärgerlich als überschwänglich glücklich. Die waren so “Das ist ja jetzt wieder typisch! Ich plane alles um und jetzt kommst du daher!” und so ähnlich. Die gingen aber ganz schnell und ich war wohl der glücklichste Mensch auf der Welt. Hat es dann doch noch geklappt. Nach 1,5 Jahren.

Frohe Kunde verbreiten

Als ich dann den Mutter-Kind-Pass in der Hand hielt, war ich überglücklich. Natürlich überlegten wir uns, wann wir nun den anderen mitteilen würden, dass wieder ein Baby unterwegs ist. Ein lang ersehntes. Das wussten so ziemlich alle. Dass ich aufgegeben hatte auch. Wir überlegten uns auch, in welcher Reihenfolge wir es verkünden möchten. Die Reihenfolge überließen wir aber dann mehr oder weniger dem Zufall.

Jeder freute sich mit uns. Oder für uns. Einer sah es sehr pragmatisch. Wieder einer mehr, der später mit anpacken kann. Auch nicht besonders nett, denn ich “züchte” hier nicht Arbeitskräfte. Aber es war ok. Ich habe mich nicht gekränkt.

Doch eine Person, die mir wirklich sehr nahe steht, machte etwas, das mich tief verletzte. Sie rollte mit den Augen. Das fühlte sich wie ein Schlag ins Gesicht an. Sie rollte mit den Augen, schüttelte den Kopf. Als wäre es eine Schande, dass ich noch ein Kind erwarte. Mein Kind eine Schande? Meine Entscheidung eine falsche? Ich freute mich doch so sehr. Vielleicht spielten die Hormone hier auch eine große Rolle, dass es sich so schlimm angefühlt hat. Ich hatte große Mühe, nicht sofort in Tränen auszubrechen. In diesem Moment wollte ich einfach nur weg von dem Ort.

Langfristige Auswirkungen

Diese Person steht mir auch heute noch sehr nahe. Es gab auch nie Diskussionen wegen dem Vorfall, weil ich ihn ganz einfach “vergessen” hatte. Und doch blieb etwas zurück. Lange wusste ich gar nicht, was mit mir los ist.

Es ist nämlich so, dass es mich nie gestört hatte, wenn jemand mit den Augen rollte. Ich stand da immer drüber. Doch seit einiger Zeit ist es so, wenn jemand mit den Augen rollt, dann werde ich zur Furie. So schlimm, dass ich meine gute Kinderstube vergesse. Vor ein paar Wochen gab es dann einen Zwischenfall mit meinem Schwiegermonster. Ich habe es mit der noch nie leicht gehabt, habe aber einen Weg gefunden, mit ihr gut aus zukommen. Es ist jetzt nicht die Liebe sondergleichen, aber es ist soweit harmonisch.

Vor ein paar Wochen hat sie den üblichen “Mist” gedreht. Ich habe ihr erklärt, ganz in Ruhe, mein Haus, meine Kinder, meine Regeln. Und sie rollte mit den Augen. Meine Reaktion auf diese kleine, unscheinbare Geste war katastrophal. Ich habe mit ihr gebrüllt, so laut, die ganze Ortschaft konnte mich hören. Obwohl wir im Haus waren und nicht im Garten. Ich brüllte so laut, dass meine Kinder danach ein wenig Abstand hielten.

Ich habe danach geweint. Es tat mir wirklich leid. Meinen Kindern gegenüber, dem Schwiegermonster gegenüber. So bin ich normal gar nicht. Ich verliere die Contenance nicht so schnell. Meine Erziehung war so, dass man alles sagen kann, solange man sich nicht im Ton vergreift. Aber ich hatte mich im Ton, und vor allem in der Lautstärke, vergriffen. Mir tut das heute noch leid. Ganz ehrlich und ich habe mich ja auch noch am selben Tag bei ihr entschuldigt. (Für die Art, nicht aber für den Inhalt)

Ich rätselte lange, seit wann ich so arg auf Augenrollen reagiere. Drauf gekommen bin ich, wie ich einen Beitrag plante, der sich damit beschäftigen hätte sollen, wann und wie man der Familie sagt, dass ein Baby unterwegs ist. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Was ich sagen möchte

Wenn jemand in einem emotionalen Ausnahmezustand ist (und eine Schwangerschaft zählt da mal ganz fix dazu) und etwas mitteilt, dann sollten wir alle aufpassen, wie wir darauf reagieren. Denn in so einem Moment können ganz kleine Dinge, wie mit den Augen zu rollen, ganz große Auswirkungen für die Person haben.

Wir sind alle von Geschehnissen in der Vergangenheit geprägt. Doch so manche Prägung wäre zu verhindern.

Welche “Kleinigkeiten” tragt ihr mit euch herum? Wisst ihr, wann und warum das passiert ist? Kann man es ändern, wenn man es weiß? Oder schleppen wir es in die Zukunft mit?

Lasst es mich wissen. Entweder hier in den Kommentaren ⬇ oder auf ➡ Facebook. Bin auf eure Erfahrungen und Tipps gespannt.

Eure Babsi


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