Mama und selbstständig

Mama und selbstständig – Zwischen Windeln und Auftraggeber

Im Juli habe ich sie getroffen. Nicht die beste Freundin. Sondern die alles verändernde Entscheidung. Eine wichtige Entscheidung. Sie bringt mich meinem Traum näher. Nein! Sie ist die Erfüllung meines Traumes. Mit meiner Leidenschaft Schreiben verdiene ich nun mein Geld. Ich bin selbstständig – und Mama.

Mama und selbstständig – War die Entscheidung leicht?

Nein. Das war sie nicht. Nicht im geringsten. Denn ich habe nicht nur mein Leben. Ich muss das Leben meiner vier Kinder sichern. Vor allem finanziell. Also setzte ich mich hin. Und rechnete. Tage. Wochen. Monate.

Nebenbei, du erinnerst dich vielleicht, war ich auf Jobsuche.

Die Stellenanzeigen trieben mich in den Wahnsinn. Im Beitrag Das regt mich auf! – Stellenausschreibungen habe ich davon berichtet. Was sich so manche Arbeitgeber wünschen ist noch nicht einmal Utopie. Dafür gibt es keinen passenden Begriff mehr.

Immer mehr wünschte ich mir, dass ich mich einfach selbstständig mache. Doch noch immer fiel die Entscheidung schwer. Was, wenn ich keine Auftraggeber bekomme? Eines Tages fiel dann der Groschen. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch. Sehr sympathisch. Da kann ich nicht meckern. Ich setzte mich nach dem Gespräch hin und fing an zu rechnen. Mit den Informationen, die ich hatte. Der Stundenlohn Brutto hätte an guten Tagen um die 4 € ausgemacht. 4 € und an drei Tagen pro Woche hätte ich meine Kinder so gut wie gar nicht gesehen.

Unterm Strich wäre nichts übrig geblieben. Und da dachte ich mir: “Viel schlimmer kann die Selbstständigkeit auch nicht sein.” Also breitete ich meine Flügel aus, sprang und … bin am aufsteigen. Der befürchtete Aufprall kam nicht. Nach und nach flattern Anfragen rein. Jede ein Traum und jede passt genau zu mir.

Mama und selbstständig – Zwischen Windeln und Auftraggeber

Einfach ist es nicht. Das gebe ich zu. Nicht, dass ich es mir einfach vorgestellt hätte. Ich weiß, wie viel Zeit man in ein Geschäft investiert. Meine Mama hatte auch eines. Und die meiste Zeit verbrachte sie dort. Um es am Laufen zu halten. Am Wochenende fielen dann Arbeiten rund um das Geschäft an. Buchhaltung, Geschäftsbriefe aufsetzen. Und nebenbei den Haushalt wieder auf Vordermann bringen.

Bei mir läuft es ähnlich. Zusätzlich drei kleine Kinder. Eines davon noch ein Wickelkind. Ein Zuhause-Kind. Denn in den Kindergarten geht er noch nicht. Doch ich habe Glück. Denn mein Mupfel ist wirklich geduldig und brav. Den ganzen Vormittag beschäftigt er sich weitestgehend alleine. Entweder er sitzt neben mir und baut ganze Duplo-Städte oder er schaut sich seine Bilderbücher an. Und erzählt.

Hin und wieder wird eine Runde Kuscheln eingefordert. Oder eine frische Windel. Mal ein Snack. Dann wieder etwas zu trinken. Also wirklich nicht so schlimm. Obwohl … naja … diese kleinen Forderungen kommen schon im 10 Minuten-Takt. Aber er raunzt nicht rum. Das macht es leichter für mich.

Wenn der Vormittag vorüber ist, dann kommen schon die ersten zwei von Schule und Kindergarten nachhause. Da kommt die große Unruhe. Du weißt schon, 10 Gründe, warum meine Kinder streiten. Und wenn nicht gerade gestritten wird, dann müssen Hausaufgaben erledigt werden.

Dann wird auch schon einmal der Fernseher aufgedreht. Lautstärke am liebsten auf beinahe voll. Mit der Konzentration ist es dann nicht mehr so weit her. Da passieren mir Fehler, die ich unter normalen Bedingungen nicht mache. Also muss ich die meisten Arbeiten auf den Abend verlegen.

Im Ganzen dauert dann so ein Arbeitstag schon mal von 7 bis 22 Uhr. Dann noch Beziehungspflege. Und dann ins Bett fallen und nicht einschlafen können. Denn gedanklich bereite ich schon wieder die nächsten Schritte vor. Als ich noch Babymama war und dementsprechend dicke Augenringe hatte, wusste ich noch nicht, dass ich das irgendwann toppen würde.

Zu all den Verpflichtungen gesellen sich dann Arzt-Termine. Die ich dann vergesse. Erst kürzlich wieder. Ja, wieder. Passiert mir öfter. Sitze und arbeite an einem Auftrag. Plötzlich reißt mich das Klingeln des Telefons aus meinem Fluss.

“Ja, hier Ordination Dr. X. Sie hätten heute Morgen einen Termin mit Mupfel bei uns gehabt.”

Ich, total schockiert: “Ist nicht wahr, oder?”

Die nette Dame: “Doch. Oh ja. Aber wenn Sie wollen, können Sie heute noch kommen.”

Die kennen mich schon. Mein Glück. Die lachen jedes Mal. Ist schon so Gewohnheit. Ich glaube ehrlich, dass die sowieso immer gleich zwei Termine für mich einträgt. Den einen teilt sie mir mit, den anderen hebt sie sich auf, falls ich wieder vergesse.

Dann war ich auch noch so verpeilt und hab’ den Arzt gleich mal geduzt. Oh Gott. Ich bin echt zerstreut. Der fand das aber ganz witzig und hat zurück geduzt.

Auch private Termine vergesse ich. Unlängst bekomm’ ich eine SMS von meinem Vater: “Ich muss dir fürs Wochenende absagen. Bin krank.” Mein erster Gedanke: “Wir waren verabredet!?”

Ich besitze und benutze einen Tischkalender, einen Buchkalender, einen Taschenkalender, einen Handykalender und ein Bullet Journal … und vergesse tatsächlich Termine.

Deadlines, Abgaben, Fristen weiß ich, ohne sie notieren zu müssen. Bin meistens schon vor dem Termin fertig.

Selbstständig und Mama zu sein ist nicht einfach. Es ist ein Spagat. Und selbst möchte man ja auch nicht zu kurz kommen. Das muss sich alles noch bei mir einpendeln. Deswegen ist es hier am Blog auch so still geworden. Aber langsam kommt ein Rhythmus in die ganze Sache. Und den nächsten Arzt-Termin habe ich einstudiert. Jetzt darf ich nur nicht an dem Tag vergessen.

Zwischen Auftraggeber und Windeln – Ich liebe es

Ich möchte es gar nicht anders haben. Es ist manchmal stressig. Aber es lohnt sich. Würde ich zwischen Windeln und Arbeitgeber stehen, es wäre nur halb so schön. Und ich bekäme 4 € die Stunde. Wenn einer meiner Herzmenschen krank ist, ich könnte nicht einfach so zuhause bleiben. Außerdem bräuchte ich zusätzliche Kinderbetreuung am Nachmittag. Von den 4 € die Stunde müsste ich 3 € die Stunde für die Betreuung zahlen. Der 1 € die Stunde, der bleibt, ginge für Transportmittel drauf.

Am Ende bliebe nichts zum Leben und ich ginge nur deshalb arbeiten, damit ich Auto und Kinderbetreuung bezahle, damit ich arbeiten gehen kann. Unlogisch.

Übrigens nimmt mein Umfeld nicht wirklich wahr, dass ich wieder arbeite. Die haben ganz eigenartige Ansichten zum Thema Homeoffice.

Überlegst du dich selbstständig zu machen? Hemmt dich etwas oder bist du selbst bereits schon selbstständig? Wie sind deine Erfahrungen? Erzähl’ es mir in den Kommentaren.

Deine Babsi


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6 Kommentare zu “Mama und selbstständig – Zwischen Windeln und Auftraggeber”

  1. WOW, was für ein Schritt. Dass es oft nicht einfach ist/wird, glaube ich Dir aufs Wort, aber ich sehe die Vorteile auch.
    Alles Gute für Dein Vorhaben und weiterhin viel Erfolg!
    Viele Grüße,
    Tanja

    1. Babsi

      Hallo Alltagsheldin 🙂
      Danke.
      Leicht ist es nicht, aber solange es trotzdem Spaß macht ist es besser, als die Alternativen, die ich hier habe.
      Liebe Grüße
      Babsi

  2. Hallo Babsi,

    ich finde es richtig toll, dass du den Schritt gewagt hast und ich freue mich mit dir, dass deine Selbstständigkeit so gut anläuft.

    Weiterhin viel Erfolg
    Mama Maus

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