Familienverhältnis – Patchwork

Patchwork – Ein Begriff, der schon lange kein Fremdwort mehr ist. Heute gibt es viele Familien, die bunt zusammengewürfelt sind, weil Mama und Papa sich (leider) getrennt haben und in neuen Beziehungen mit neuen Menschen sind, die vielleicht auch Kinder mitbringen bzw miteinander Kinder bekommen.

Es gibt Patchworkfamilien, da läuft alles rund und dann gibt es Patchworkfamilien, die haben es nicht gerade leicht. Zum Beispiel wegen Eifersüchteleien auf allen Seiten. Streit ist vorprogrammiert und so manche Patchworkfamilie zerbricht wieder.

Wir sind auch eine Patchworkfamilie. Ich habe Pubertier in die neue Beziehung mitgebracht und habe mit meinem Chaos-Mann noch drei weitere Kinder bekommen. Heute möchte euch davon erzählen. Aber nicht von unserer Kern-Familie, wie es mein Mann immer nennt, sondern von der Erweiterung. Nämlich die Patchwork-Omas und Opas.

Das Schwiegermonster

Es hat einen Grund, warum ich sie immer wieder so nenne. Mit ihr ist es alles andere als einfach. Anfangs war das nur auf mich zutreffend. Es störte sie nämlich nicht, dass ich schon ein Kind hatte. Im Gegenteil. Sie machte den Eindruck, als wäre sie super glücklich darüber, dass sie doch noch Oma ist. 

Sie ist eine tolle Oma. Pubertier konnte alles von ihr haben. Stundenlang hat sie sich mit ihm beschäftigt. Hat mit ihm gespielt, gekocht, gebacken. Hat ihn geknuddelt und geliebt. Getröstet, wenn er traurig war und hat ihm verziehen, wenn er einmal frech war.

Sie hat ihn jedem als ihren Enkelsohn vorgestellt. Sohn ihres Sohnes. Dabei stimmte das gar nicht. Aber wenn Pubertier dabei war, hat sie immer gesagt, dass ist der Sohn ihres Sohnes. Dass sie und ich nicht so gut miteinander konnten war Nebensache. Sie sorgte sich einfach um diese kleine Seele. Doch dann …

Mad Max war unterwegs

Mensch, war ihre Freude vielleicht groß. Ein leibliches Enkerl. So schnell konnte ich gar nicht schauen war die komplette Babyausstattung vorhanden. Sie bot überall ihre Hilfe an. Hauptsächlich wollte sie bestimmen, wie wo was wann geschehen soll. Auf die Angebote habe ich dann dankend verzichtet. 

Und man merkte schon, Pubertier wird zum Beiläufer. Wir haben sie darauf hingewiesen. Und sie riss sich am Riemen. Doch dann …

Mad Max erblickte das Licht der Welt

Und plötzlich hatte sie nur ein Enkerl. Dabei ergibt 1 und 1 nach größtmöglicher Wahrscheinlichkeit 2 …
Nein, sie hatte nur mehr einen Enkelsohn, Sohn ihres Sohnes. Der andere war Sohn von ihr da. Autsch!? Natürlich haben wir das nicht so stehen lassen. Beziehungsweise mein Mann hat das nie so stehen lassen. “Tschuldigung, ich habe zwei Söhne! Pubertier (damals halt noch kein Pubertier) ist auch MEIN Sohn!” Aber ganz ehrlich, bringt ja nix, wenn das Kind daneben steht und hören muss, dass es eigentlich nicht dazu gehört. Mein Mutterherz war gebrochen und geboren war das Schwiegermonster.

Es ist noch bis heute so, dass sie drei meiner Söhne als ihre Enkelsöhne vorstellt, Söhne ihres Sohnes. Und Pubertier halt. Der gehört aber zu der da. Ja, hallo!? Wir stehen da. Geht’s noch? Sie gehören alle zu mir. Ich glaube, mich erinnern zu können, dass ich alle vier unter MEINEM Herzen trug. Und ich meine mich erinnern zu können, dass ich alle vier zur Welt gebracht habe. Total unfaire G’schicht, sag ich mal. Doch dann gibt es da noch …

Schwie-Pa und Schwie-Ma

Der Vater meines Mannes und dessen Frau. Das ist für sie, denn sie sind die Besten! Patchwork können sie. Da gab es Stefan, Pubertier und mich. Schwie-Pa und Schwie-Ma waren überglücklich, als sie mich kennen lernten. Ich kann mich noch ganz genau an den Abend erinnern. Mein Mann und ich kamen damals ohne Pubertier an. Der war nämlich bei meiner Mama zuhause, denn wir waren Weihnachtseinkäufe erledigen. 

Wir kamen bei ihnen an und ich wurde gleich herzlichst in Empfang genommen. Und kaum in der guten Stube, wurde ich nach Pubertier gefragt. Sie hatten sich schon so darauf gefreut das neue FAMILIENMITGLIED kennen zu lernen. Oh Mann, jetzt drückt es mir Tränen in die Augen, ganz ehrlich… … … … Sie hatten meinen Sohn, den sie noch nicht einmal kannten, in ihr Herz geschlossen. Er war vom ersten Moment an ihr erstgeborenes Enkerl. Sie hatten für das Kennenlernen sogar ein Stofftier besorgt. Und dann…

Das Kennenlernen

Pubertier war sofort das Enkerl und das spürte er auch. Er war mitten drin in der Familie, nicht nur dabei. Sofort war er Schwie-Pas Kumpel. Es war so schön zu sehen, wie glücklich mein Kind war. Bis zu dem Zeitpunkt gab es nämlich keinen Opa für ihn (die Gründe dafür möchte ich jetzt nicht erörtern) und plötzlich hatte er seinen ganz eigenen. Mein Mamaherz hüpfte vor Freude und Stefan-Opa war geboren. 

Und Schwie-Ma? Schwie-Ma ist ein Patchwork-Profi. Sie hat sofort und ohne darüber nachzudenken die Oma-Rolle übernommen. Es wurde mit meinem kleinen Sohn gekuschelt, gespielt und er wurde ganz ganz viel liebgehabt. Er war das Enkerl ohne wenn und aber. Der Nicht-Sohn, des Sohnes, der auch nicht ihrer war, ist trotzdem ihr Enkelsohn. Wie gesagt: Patchwork-Profi. Gitti-Oma war geboren. Und dann…

Mad Max kam zur Welt

Und es hat sich nichts geändert. Statt ein Enkerl zum Liebhaben, hatten sie jetzt zwei Enkerl zum Liebhaben. Es wurde niemals nie nicht unterschieden zwischen Sohn meines Sohnes und Sohn von der da. So wie es Schwiegermonster bis heute handhabt. Jeder unserer Söhne bekommt die selbe Aufmerksamkeit, wird auf die selbe Art und Weise vorgestellt und jeder ist der Kumpel, der Lauser, der Frechdachs (wie sie es halt gerade brauchen).

Wenn wir bei ihnen auf Besuch sind, hat Stefan-Opa leichte Schwierigkeiten mit dem Sitzen. Denn jeder einzelne von unseren Jungs will unbedingt neben dem Stefan-Opa sitzen. Nachdem er alle gleich viel lieb hat, schaut das dann auch immer wieder witzig aus. Immer, wenn das Wetter passt, schnappt er sich die drei größeren und geht mit ihnen auf den Spielplatz (Mupfel ist noch zu klein. Aber Opa, nächstes Jahr dann, gelle?) Jeder von den Kindern wird wie ein kleiner Superstar behandelt.

Und ich bin unendlich glücklich und dankbar. Ja, wir hatten unsere Schwierigkeiten. Und ja, es kam auch zu Kontaktabbrüchen. Wenn so viele bunt zusammengewürfelte Menschen aufeinander treffen, jeder mit seiner Sicht der Dinge, dann kann es schon einmal zu größeren Konflikten kommen. Doch wir fanden jedes Mal wieder zueinander. Und ich bin in all den Jahren endlich erwachsen geworden, selbstbewusster, zugänglicher und toleranter. Ich sehe endlich, was meine zwei Herzensmenschen für meine Kinder tun. Speziell für mein Pubertier.

Familienverhältnis Patchwork

Patchwork betrifft nicht nur Mama, Papa und Kinder. Es betrifft auch Oma, Opa und Kinder. Liebe Patchwork-Omas und -Opas da draußen. Ich weiß, es ist sicher nicht einfach, nicht zu unterscheiden. Klar fühlt man sich zu den leiblichen Enkelkindern mehr hingezogen, versucht aber trotzdem keine spürbaren Unterschiede zu machen. Das Kind, das zu der Familie von außen dazu kommt, hat sich die Situation ja auch nicht ausgesucht. Und meine Meinung ist, dass alles, was man an einer Kinderseele kaputt macht, kann man nie wieder reparieren. Es reicht ein ungewollter Ausrutscher und die kleine Seele bekommt eine Narbe. 

Ihr Großeltern seid so wichtig für die Kinder. Ihr gebt Halt, Liebe und Geborgenheit. Und diese Dinge stehen JEDEM Kind zu. Egal ob leiblich oder nicht. In diesem Sinne: Make love, not war <3

Auf bald,
Babsi Hey


Möchtest du Beiträge, die so ähnlich sind, wie dieser, nicht mehr verpassen? Gefällt dir mein Bla und du möchtest noch mehr davon?

Dann folge mir doch auf Facebook. Ich freue mich immer wieder auf neue Menschen.
Oder bist du eher auf Instagram zuhause? Dann kannst du mir gerne auch da folgen 🙂


2 Kommentare

  1. Ja, das stimmt, dass Patchwork heutzutage eine schwierige Aufgabe ist. Ich selbst bin auch geschieden, habe einen neuen Mann, mein Ex eine Lebensgefährtin, aber zusammen waren wir noch nie bei den Söhnen. Nicht weil Ex und ich uns streiten, nein, wir leben einfach in verschiedenen “Welten”. Es ist noch kein Enkel in Sicht, aber spätestens dann werden die Enkel dann mehrere Omas und Opas haben, denn wenn auch auf der anderen Seite noch gepatchworkt wird, dann kommen zur Taufe nicht zwei Oma-Opa-Paare, nein gleich vier! Ziemlich viele Leute! Hoffe, dass wir das dann auch hinkriegen. LG

    1. Liebe Sigrid,
      danke für dein Feedback. Du hast recht, Patchwork ist nie einfach. Aber den Kindern zuliebe sollte man dann einfach versuchen, Spannungen auszuschalten. Funktioniert nicht immer und schon gar nicht einwandfrei.
      Wenn es soweit ist, werdet ihr das schon schaffen
      Liebe Grüße Babsi

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.