Du denkst, du bist vorbereitet

Ganz ehrlich, dass ich nicht alles im Griff habe, wusste ich schon. Aber dass mich mal eine Kleinigkeit so aus der Bahn werfen könnte, das habe ich nicht erwartet. Bin ich von mir so gar nicht gewohnt. Normalerweise reagiere ich auf neue Entwicklungsschritte meiner Söhne relativ locker. Relativ.

Klar denke ich mir bei neuen Errungenschaften meiner Kids manchmal “Hachz… schon wieder so groß” oder Ähnliches. Kennt wohl jede Mama. Stolz mischt sich mit ein wenig Wehmut. Man fragt sich, ob man die Zeit mit den Kindern auch gut ausgekostet hat. Schließlich kommt diese Zeit nie wieder. Sie verweilt in unserer Erinnerung. Also hofft man, man hätte auch wirklich viele Erinnerungen gesammelt.

Wenn man mehr als ein Kind hat ist es in der Regel so, dass man bei den anderen Kindern manchmal auf bestimmte Entwicklungsschritte schon wartet und ist ein Meilenstein erreicht überwiegt der Stolz und die Wehmut wird immer geringer. Aber für alles gibt es dann eben doch noch ein erstes Mal.

Überhaupt beim Erstgeborenen ist jeder Schritt das erste Mal. Nun ist mein großer auch tatsächlich schon groß. Bald einen Kopf größer als ich. Im Dezember wird er tatsächlich schon wieder 15 Jahre.

Auf was ich mich seelisch vorbereitet habe

15 ist so ein Alter. Vielleicht kannst du dich noch genau erinnern, was du alles mit 15 erlebt und, ganz ehrlich, angestellt hast. Auf jeden Fall weiß ich es noch und deswegen gibt es so einige Dinge, auf die ich mich schon vorbereitet habe. Manches habe ich schon durch. Zum Beispiel, dass er nach der Schule nicht nachhause kam, weil wir ein Missverständnis hatten. Kannst du, wenn du es verpasst hast, im Beitrag To Hell and Back nachlesen. War nicht lustig.

Gedanklich bin ich schon viele Schritte vorgegangen, um möglichst gut vorbereitet zu sein. Der erste große Liebeskummer, die ersten Parties, das erste Mal Sex. Einiges habe ich mit ihm schon besprochen. Drogen, Alkohol, Sex, … naja, die grundlegenden Dinge halt.

Mein Sohn (meine Söhne) soll einfach wissen, dass er mit allem zu mir kommen kann. Wirklich mit allem. Ich werde nicht durchdrehen. Alles wird gut werden. Es gibt nichts, das mich aus der Spur werfen wird. Er wird immer mein Sohn bleiben und ich werde ihn immer lieben und alles total locker und easy hinnehmen.

Ich dachte, ich wäre vorbereitet!?

Dann kam der Tag, wieder einmal, der mir zeigte, du kannst dich vorbereiten so viel du willst. Es überrollt dich dann doch. Es haut dich aus den Socken. Du stehst da, mit einem Blick, wie die Kuh vorm geschlossenen Scheunentor bei Starkregen.

Es begann so:

“Mama?” – “Ja?” – “Du hast doch gesagt, ich kann mit allem zu dir kommen …” –
(Anmerkung: das ist der Moment, wo du sofort alles stehen und liegen lassen musst. Hast du grade was im Mund, schluck es runter. Nimm keinen Schluck vom Kaffee. Atme am besten gleich tief ein … nur so ein Tipp. Ich hatte das nicht getan.)
 “Ja …” – “Also gut. Ich möchte mich am Samstag mit einer Freundin im EKZ treffen.” – “Ist ok. Wir können gern am Samstag da hin fahren.”  – “Nein, Mama. Nicht wir. Ich! Alleine! … ”
(Mama verschluckt sich mächtig am Kuchenbrösel und kötzt wie wild)
“… Mama?” – “Ja?” – “Ich möchte mich alleine mit M. treffen. Geht das?”

Und ich dachte, ich wäre vorbereitet … HA! Anfängerfehler. Übrigens war es meinem Großen in dem Moment ziemlich wurscht, dass ich mich verschluckt hatte. Denn der stand mit seinem Handy da und wollte nur schnell seiner Angebeteten eine Antwort schreiben.

Nachdem ich den Kampf mit dem Kuchenbrösel gewonnen hatte, habe ich es ihm natürlich erlaubt. Mit Tränen in den Augen (weil ich doch so kötzen musste … nicht).

Wieder einmal wurde ich kalt erwischt. Obwohl ich diese Gespräche gedanklich schon tausende Male durchgegangen bin. Die Realität ist dann doch eine andere Nummer.

Mein Sohn hat nun also sein allererstes Date. Er braucht mich nicht mehr mit. Er packt das schon alleine. Und eigentlich bin ich dann doch stolz auf ihn. Denn wieder hat er einen großen Schritt nach vorne gemacht, mit der Sicherheit, dass Mama ja da ist und ihn auf jeden Fall wieder auffängt, läuft doch etwas schief. Sofern sie nicht von einem Kuchenbrösel gekillt wird.

Er brauchte mich doch

Obwohl er mich nicht dabei haben wollte (was logisch ist für ein Date), brauchte er mich dann doch. Er hatte eine Menge Fragen:

Was soll ich anziehen?
Soll ich sie auf ein Eis einladen?
Wie soll ich meine Haare stylen?
Was mache ich, wenn sie Händchen halten will?

Und noch viele mehr.

Bereite dich vor oder auch nicht

Wenn du denkst, du bist vorbereitet, dann irrst du. Aber es ist trotzdem wichtig. Dein Kind wird erwachsen und das ist auch gut so. Aber wenn du denkst, du hast dann alles im Griff, fährst du am Dampfer. Denn jeder Schritt ist gewaltig. Wieder wirst du feststellen, dein Kind löst sich immer mehr von dir. Es ist jedes Mal eine emotionale Herausforderung. Doch das ist gut so. Immerhin möchtest du dein Kind bestimmt nicht noch in den Schlaf begleiten, wenn es 40 ist.

Wichtig ist nur, dass du nicht offensichtlich die Fassung verlierst. Dein Kind muss sich bei jedem Schritt, den es geht, sicher fühlen. Diese Sicherheit musst du geben. Auch wenn du eigentlich gerade total auf Dramaqueen eingestellt bist. Mach’ es nicht. Dein Kind wird dich noch so oft brauchen. Wenn du dann das Gefühl vermittelst, du packst das nicht, dann wird es nicht mehr zu dir kommen. Weil es dich schonen will.

Wann gab es bei dir so einen Moment? Wie hast du reagiert?

Ich freue mich über dein Kommentar.

Deine Babsi


Willst du diesen Beitrag anonym bewerten? 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 5,00 von 5

1 abgegebene Bewertung(en)

Loading...


 

 

2 Replies to “Du denkst, du bist vorbereitet”

  1. Moiiiiiiiiiiiiii Süß – Ich drück die Daumen das, das erste Date Wundervoll ist =) und er mit einen Grinsen nach hause kommt und dir vlt etwas erzählt =)

    Ja ich glaube auf sowas kann man sich gar nicht vorbereiten – Also ich bereite mich nicht vor mein standart satz – ich lasse es auf mich zu kommen wie es kommt =).

    Meiner ist erst 5 also hab ich noch so 10 Jahre Zeit hoffe ich mal – aber 5 jahre alt sein ist auch anstrengend – so wie jetzt – jetzt ist er die zweite Woche daheim und ich dreh am rad weil ich auch nicht gesund bin – weil so ein Mittagsschlaf ist doch nur was für baby oder alte Menschen … ^^

    1. Ja, total süß. Und trotzdem kam es unerwartet 🙂

      Ich wünsche euch gute Besserung. Und dein Motto “Ich lass es auf mich zukommen” ist top 😉

      Liebe Grüße Babsi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.